Sendika.Org wird nicht schweigen!

Sendika.Org wird nicht schweigen!

Wir begannen unseren Weg im Jahr 2001, als die Internet-Nutzung in der Türkei noch begrenzt war. Wir wollten dem weltweiten Kampf der Arbeiter*innen und den Bewegungen gegen Globalisierung und kapitalistische Politik eine Stimme geben. In den letzten 17 Jahren haben wir über soziale und betriebliche Proteste und Kämpfe aus der Türkei und von überall auf der Welt berichtet. In harter Arbeit, mit Finanzierung nur aus unseren eigenen Mitteln ist es uns gelungen, Informationsquelle, intellektuelle Plattform und Stimme der sozialen Opposition in der Türkei zu werden. Wir versehen die Mauern der Zensur mit Löchern und erreichen breite Teile der Bevölkerung. Wir sind aktiver Teil der sozialen Bewegungen. Kein Wunder, dass die Herrschenden uns heute feindselig gegenüberstehen.

Während wir Nachrichten über Proteste und Arbeitskämpfe produziert und veröffentlicht haben, haben wir auch selbst gelernt und sind gewachsen. Vom Kampf der Arbeiter beim Tabakriesen Tekel in Ankara, der Mitte Dezember 2009 begann, haben wir rund um die Uhr live berichtet, bis die Arbeiter ihren Protest gegen die geplanten Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen nach 78 Tagen erfolgreich beendeten. Mit dieser Erfahrung im Hintergrund gründeten wir im Jahr 2013 “Çapul TV”, während die Gezi-Proteste zu einem landesweiten Aufstand gegen die rückwärtsgewandte Politik und die Repressionen der AKP anwuchsen. “Çapul TV” war das einzige Internet-Fernsehen, das live aus dem Gezi-Park berichten konnte. Wir erreichten ein Millionenpublikum. Während der Gezi-Proteste schickten uns unzählige freiwillige Reporter*innen Informationen von den Barrikaden überall im Land und bereicherten so unsere Berichterstattung auf Sendika.Org. Wir wurden in dieser Zeit zu einer wesentlichen Quelle verlässlicher Informationen gegen die herrschende Zensur in den türkischen Medien. Die Zahl der täglichen Besucher*innen unserer Seite wuchs auf 200.000.

Als die Türkei und der Nahe Osten immer weiter in Kriegszustände gerieten, haben wir unsere Reporter*innen in die Konfliktgebiete geschickt. Wir wollten nicht nur die Stimme entweder des westlichen oder des östlichen Teils der Türkei sein, sondern die Stimme des Widerstands insgesamt. Wir haben uns bei der Praxis kollektiver Berichterstattung immer am historischen Erbe der Arbeiter*innen-Bewegung orientiert. Dieses Erbe gab uns Kraft. Unsere Nachrichten produzieren wir mit einem plattform-unabhängigen Verständnis von alternativen Medien unter Nutzung aller Möglichkeiten der neuen Kommunikationstechnologien. Über verschiedene Partnerseiten haben wir unsere Reichweite und inhaltliche Bandbreite vergrößern können: mit latinbilgi.net, dem größten Archiv an türkischsprachigen Nachrichten und Artikeln über die progressiven sozialen Bewegungen in Lateinamerika; 5deniz.net, die während des Arabischen Frühlings gegründet wurden und über die progressiven nationalen Bewegungen im Nahen Osten berichten; “sendika.tv”, dem Internet-Fernsehen für die Arbeiter*innen-Bewegung und gewerkschaftliche Kämpfe; und “Hayır TV” als gemeinsame Stimme aller, die sich gegen das Verfassungsreferendum des türkischen Präsidenten vom April 2017 ausgesprochen haben. Seit der Gründung 2006 gehören wir außerdem zu den maßgeblichen Organisatoren des “Arbeiter*innen-Filmfestivals”.

Der 17. Jahrestag unserer Gründung begann für uns mit Zugangssperren zu unserer Seite innerhalb der Türkei, mit Gerichtsverfahren und Polizeigewahrsam gegen Redaktionsmitglieder. Gegen die erste Welle der Restriktionen im Juli 2015 hatten wir geantwortet: “Wir werden diese Tyrannei nicht akzeptieren! Der Zensur beugen wir uns nicht! Sendika.Org wird nicht schweigen!” Damals setzten wir unsere Berichterstattung auf einer neuen Webseite fort: sendika.tv. Innerhalb von 24 Stunden wurde auch sendika.tv zensiert. Als nächste Adresse wählten wir sendika1.org. Bis heute wurde unsere Seite nach jeder sozialen Bewegung auf den Straßen zensiert, manchmal sogar davor. Wir eröffneten immer neue Seiten, sendika2.org, sendika3.orgsendika50.org, und setzten unsere Arbeit fort. Die vergeblichen Zensurbemühungen verschärften sich vor dem Verfassungsreferendum im April 2017. Wir wurden in der Zeit fast täglich zensiert. Einer unserer Redakteure, Ali Ergin Demirhan, kam nach einer Razzia in unserem Büro in Polizeigewahrsam, wo er sechs Tage lang festgehalten wurde. Ihm wurde vorgeworfen, das “Ja” aus dem April-Referendum als illegitim kritisiert zu haben. Ein anderer Redakteur, Çağlar Özbilgin, wurde festgenommen, als er vor Gericht in einem anderen Verfahren eine Aussage machen wollte. Nach seiner Aussage wurde er wieder freigelassen.

Heute haben wir zum 49. Mal eine Zensur unserer Seite erfahren. Wir machen unter sendika50.org weiter. Das ist Weltrekord. Ein Rekord sowohl für die AKP-Regierung, die dieselbe Seite wieder und wieder behindert, ein Rekord aber auch für uns, die wir die Barrieren der AKP gegen unsere Berichterstattung wieder und wieder überwinden. Die AKP-Regierung setzt ihre repressive, ungesetzliche, rückschrittliche Politik unbeirrt fort. Wir sind uns sicher, dass sie den Druck gegen uns und die Versuche, uns zu zensieren, noch verstärken werden. Wir aber werden uns von unserem Weg nicht abbringen lassen. Unsere Antwort gegen ihren Faschismus lautet immer wieder: Sendika.Org wird nicht schweigen! Alle Menschen haben das Recht auf Kommunikation und wahrheitsgemäße Information. Wir werden nicht aufhören, dieses Recht zu verteidigen. Stolz verkünden wir allen Freunden und allen Feinden da draußen: Wir werden unsere Nachrichten auch weiterhin verbreiten. Wir wissen: Der Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Zensur, den wir mit unseren Stiften, unseren Kameras, Tastaturen und Worten leisten, an unserem Schreibtisch und auf der Straße, dieser Widerstand entspringt einer historischen Verantwortung.

Als Freund*in und Verbündete*n in unserem Kampf bitten wir Dich um Unterstützung dabei, dass unsere Stimme überall in der Türkei und auf der Welt gehört wird. Wir bitten Dich: Teile unsere Geschichte auf Deinen Social Media Accounts und lass uns und alle um Deine Unterstützung wissen. #sendikaorgwirdnichtschweigen #nachrichtenfueralle #sendikaorgwillnotbesilenced #newsforeveryone #sendikaorgsusmayacak #herkesiçinhaber #sansürekarşısendikaorg    #sendikaorgsusturulamaz

 

Mit solidarischen Grüßen

das Team von Sendika.Org


Sendika.Org Will Not Be Silenced!

We began this journey in 2001 when internet usage in Turkey was still limited, aiming to be the voice of both the global labor fight and the movements against globalization and the capitalist politics. For the past 17 years, through hard work and self-finance, we’ve been the information source, intellectual platform and the voice of social opposition by publishing and producing news of rebellions of nations, fights for rights and labor movements from Turkey and all over the World. Reaching out to great masses by digging holes within the censorship walls of the political power and being an active subject of the social movement surely raised political power’s hostility against us.

While producing and publishing the news of the rebellions, of the labor fights, we’ve also learnt and grown. We’ve live-broadcasted the fight of Tekel workers in Ankara 24/7, who were opposing changes in their working conditions and ended their protest successfully after 78-days. With this experience, we founded “Çapul TV” during “Gezi Protests” which became a nationwide rebellion against the retrogressive politics and the pressures of AKP government in 2013. With Çapul TV, we’ve reached out to millions, being the only internet television in Turkey that can broadcast live from Gezi Park. As Sendika.Org, during Gezi Protests, our news got richer and richer through the information sent out to us by voluntary reporters reporting from the barricades all over the country. During this period, we became the source of confirmed information against the dominant media censorship with our daily 200.000 individual viewers. In time, within the conditions where Turkey and Middle East are dragged into war, we’ve sent our reporters to conflict zones and barricades to be the voice of not just the West or the East of the country but of all the territories resisting. We’ve always cared about and made use of the collective news practices heritage of labor fight history. Through the power we’ve derived from this heritage, we’ve produced our news with a platform independent alternative media understanding, getting use of all the new communication technologies. We’ve enriched our reach through our fellow sites like latinbilgi.net who has the greatest news and article archives in Turkish regarding the progressive social movements in Latin America; 5deniz.net who has been founded during “Arab Spring” to follow the progressive nation movements of Middle East; “sendika.tv” an internet television serving the labor movement and the union fight; “Hayır TV” the common voice of the opposers of 2017 Turkish presidency referendum on social media. We’ve been one of the major organizers of the “Labor Film Fest” since 2006.

We’ve began our 17th publication anniversary with access restrictions from Turkey, law suits and custodies against our editors. Against the first restriction wave of July 2015 we responded: “We neither accept tyranny nor bow to censorship! Sendika.Org will not be silenced!” and continued our news directing to a new site: sendika.tv. Within 24 hours, sendika.tv was also restricted and our new address became “sendika1.org”. Until now our site has been restricted after – or sometimes before- almost all social movements. And we continued our journey by opening up new sites like sendika2.org, sendika3.orgsendika50.org. This vain censorship attempts were multiplied before the April 2017 referendum where the new constitution was voted and became a daily routine. One of our editors, Ali Ergin Demirhan, was taken into custody after a raid to our office and detained unlawfully for 6 days since he criticized the illegitimate result “Yes” of the April 2017 referendum. Another editor of ours, Çağlar Özbilgin was taken into custody when he went to courthouse to testify for another trial against him and released after his testimony.

Today we’ve faced the 49th restriction against our site and we’re continuing with sendika50.org. This is a world record. A record, both for AKP government restricting access to the same site over and over again and for us overcoming the barriers of the AKP government against our news. We’re sure that AKP government’s pressure and attempts to censor us will increase as their oppressive, unlawful, retrogressive politics continues. But we will continue on our path stating the same response against fascism over and over again Sendika.org will not be silenced!” We will not stop defending and working for people’s right to communicate and receive news. We’re proudly announcing to all fellows or enemies out there, that we will continue our news, knowing that resisting against injustice and censorship through our pens, cameras, keyboards and words, on our desks or on streets is a historical responsibility

We know that you’re our fellow and ally on this rightful fight and request your support to carry our voice to greater masses all over Turkey and the World. Please share our story via your social media accounts stating your support. #sendikaorgwillnotbesilenced #newsforeveryone #sendikaorgsusmayacak #herkesiçinhaber #sansürekarşısendikaorg    #sendikaorgsusturulamaz

In solidarity

Sendika.Org team