Literatur-Hinweise

Von: "A. Wosni" <>

Betreff: Fwd:

 

Text zum Zionismus/Israel-Hörbuch

Datum: Donnerstag, 02. Februar 2012 08:28

 

 

Anton Holberg2.2.2012

 

Rezension:

 

"Söldner gegen die Zukunft oder "Die einzige Demokratie im Nahen Osten".

 

Hörbild zum Zionismus. (Melzers Hörstück Nr.2"). Melzer-Verlag,

Neu-Isenburg 2011

 

Ende 2011 hat der Melzer Verlag ein überaus wichtiges aus zwei CDs

bestehendes Hörbuch zum Zionismus und dessen staatlicher Gestalt,

Israel, herausgegeben. Die leider bis dato nicht gedrucktfür die

Öffentlichkeit vorliegenden Texte werden von den Schauspielern Beate

Himmelstoß und Jürgen Jung gesprochen. Musikalische Einsprängsel sind

solche der Gruppe "Embryo".

 

Von Bedeutung ist m.E. insbesondere der 1. Teil (CD I).Hier werden alle

grundlegenden Mythen des Zionismus und sympathisierender nicht-jüdischer

Strömungen an Hand eindeutiger Zitate zionistischer Führer wie David Ben

Gurion und israelischer Wissenschaftlicher wie Shlomo Sand widerlegt. So

etwa die Behauptung, die Mehrzahl der Juden seien im Jahre 70 n.Chr. aus

ihrem Land in Palästina vertrieben worden und nun 2000 Jahre später

zurückgekehrt. Weder gibt es einen historischen Beleg für die

Massenvertreibung noch sind die "Zurückgekehrten" überwiegend die

Nachkommen derer, die damals und später ihre nahöstlichen Heimat

verlassen haben. Da das Judentum die erste große Bekehrungsreligion war,

ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der heutigen muslimischen oder

christlichen Palästinenser in der Antike Juden waren -- worauf bereits

1918 David Ben Gurion,**der erste israelische Ministerpräsident, und der

spätere 2. Staatspräsident Israels Jitzchak Ben Zwi**in einem gemeinsam

herausgegebenen Buch aufmerksam gemacht haben- und dass andererseits die

Mehrzahl der seit dem 19. Jahrhundert nach Palästina ausgewanderten

europäischen Juden einst andere Religionszugehörigkeit hatten.

Insbesondere stellen die Juden keine biologisch definierte Ethnie dar.

Die Zugehörigkeit zum Judentum allerdings auf die Religion zu begrenzen,

scheint mir zu kurz gegriffen. Letztlich wird es durch den

Antisemitismus in all seinen -- nicht nur religiösen - Spielarten

definiert. Weitere eindeutige Zitate zionistischer Führer zeigen den

bewusst kolonialistischen und militaristischen Charakter ihrer Bewegung

und weisen etwa die Behauptung, dass Israel sich von Anfang an einer

arabischen militärischen Übermacht zu erwehren gehabt hätte, in den

Bereich des Märchens. Im Wesentlichen folgt aus diesen Grundlagen der

zionistischen Bewegungen notwendigerweise alles Weitere, z.B. auch die

anhaltende Politik der Vertreibung der -- Jahrhunderte lang weit

mehrheitlichen - nicht-jüdischenBevölkerung Palästinas. Das machte noch

zu Beginn dieses Jahrtausends der Tourismusminister im Kabinett Sharon

und Ex-General Rehavam Ze'evi*,* Gründer der rechtsgerichteten

Moledet-Partei, deutlich als er sagte:

 

/"Das Wesen des Zionismus ist der Transfer. Der Transfer der jüdischen

Nation aus der Diaspora (nach Palästina) und der Transfer der Araber aus

Palästina"./

 

Die Tatsache, dass es natürlich auch andere Stimmen wie etwa die des

Humanisten und "Kulturzionisten" Martin Buber gab, die auf ein

gleichberechtigtes Zusammenleben von Juden und Nicht-Juden in Palästina

orientierten, dass aber diese für die politische Linie des Staates

Israel stets irrelevant waren und blieben, deutet darauf hin, dass sich

die herrschende expansive Politik notwendigerweise aus den realen

Grundlagen der zionistischen Bewegung ergab. Dazu der Oberbefehlshaber

der israelischen Streitkräfte und spätere Verteidigungs- und

Außenminister, **Moshe Dayan,nachzulesen im Tagebucheintrag des

Außenministers und zeitweiligen Ministerpäsidenten Moshe Sharetts vom

26.5.1955: (Ein Friedensschluß) "/würde uns die Hände binden und uns die

Aktionsfreiheit nehmen, die wir in den kommenden Jahren brauchen."/

 

//

 

Der zweite Teil des Hörbuchs (CD II), der sich der Entwicklung der

jüngeren Vergangenheit -- darunter der Politik Israels gegenüber der

sogenannten Palästinensischen Autonomiebehörde in der West Bank oder der

Regierung der islamistischen Hamas im Gaza-Streifen sowie überhaupt der

Frage der Demokratie in Israel und insbesondere auch gegenüber dem 1/5

der arabischen Bürger Israels -- widmet, zeigt all das, was auf Grund

des im 1. Teil dargelegten Befundes zu erwarten ist. Während die

"Demokratie", die für die jüdische Bevölkerung Israels in der Tat

ungeachtet ihrer grundsätzlichen Beschränkungen durch ihren

kapitalistischen Charakter und ihrer speziellen Einschränkungen durch

die mannigfachen Auswirkungen der siedlerkolonialen Unterdrückung der

nicht-jüdischen Bevölkerung Palästinas vergleichsweise mit den

umliegenden arabischen Staaten zwar durchaus real ist, erweist sich der

Gebrauch, der von den Zionisten von diesem Begriff gemacht wird,

wesentlich als propagandistisch. Das machte am 28. Mai 1993 der frühere

Verteidigungsminister und spätere Ministerpräsident, *Ariel *Sharon**in

'Yedioth Ahronoth', der größten Tageszeitung Israels, unter der

Überschrift "Demokratie**und der jüdische Staat" folgendermaßen klar:

"/Die Begriffe "Demokratie" oder "demokratisch" kommen in der

Unabhängigkeitserklärung in keiner Weise vor. Dies ist kein Zufall. Es

war nicht die Absicht des Zionismus -- dies ist kaum erwähnenswert -,

eine Demokratie aufzubauen. Er wurde allein angetrieben von der

Errichtung eines jüdischen Staates in Eretz-Israel, der dem ganzen

jüdischen Volk und dem jüdischen Volk allein gehört. Deswegen hat jeder

Jude in der Diaspora das Recht, in Israel einzuwandern und ein Bürger

Israels zu werden/."

 

Bei dem vorliegende Hörbuch haben wir es mit einer Dokumentation zu tun,

die so gut wie alle relevanten Fragen auf überzeugende Art beantwortet

-- durch den Mund jüdischer und nicht-jüdischer Zeugen wie den bereits

erwähnten aber auch solcher wie Uri Avnery, Albert Einstein, dem Israel

immerhin einst das Amt des Staatspräsidenten angetragen hatte, worauf er

wohlweislich verzichtete, Erich Fromm, Jeff Halper, Theodor Herzl,

Yeshayahu Leibowitz, Moshe Sharett, Norman Finkelstein, Arnold Zweig,

Moshe Zimmermann und Moshe Zuckermann sowie dem früheren US-Präsidenten

Jimmy Carter und dem Völkerrechtlers Norman Paech. Nachdem die Juden

jahrhundertelang Opfer christlich-abendländischen und schließlich im 20.

Jahrhundert des nazistischen Antisemitismus waren, kann eine solche

Dokumentation nicht vollständig sein, ohne auch einen emotionalen Zugang

zu eröffnen. Das geschieht hier durch den Rückgriff auf Texte aus dem

hervorragenden Gedichtband des verstorbenen österreich-jüdischen und

antizionistischen Dichters Erich Fried "Höre, Israel!"(1974).

 

Wenn man alle hier aufgeführten -- und seit langem bekannte -- Fakten

Revue passieren lässt und sich der Tatsache bewusst bleibt, dass die

Regierungen der imperialistischen Staaten diese selbstredend auch

kennen, bleibt die Frage nach dem Grund für ihre anhaltende

Unterstützung der zionistischen Politik Israels, gleich ob dort die

"linke" Arbeiterpartei oder offen rassistische Rechtsausleger die

Regierung bilden. Da sind natürlich zum einen die geostrategischen

Interessen an der Kontrolle der instabilen Staaten, die über gewaltige

Erdölvorkommen verfügen. Allerdings bleibt eine Frage offen, die auch

von den Autoren dieses Hörbuchs nicht gestellt wird -- vielleicht, weil

die mögliche Antwort zu grauenhaft ist. Das Hörbuch erwähnt, dass seit

Jahren mehr Juden aus Israel aus- als nach Israel einwandern. Welcher

Art sind dann wohl die, die dort bleiben oder gar einwandern? Die

Bevölkerungsstruktur droht, sich zu Gunsten der radikalten Zionisten

und/ oder religiösen Fanatiker zu verschieben. Das hat nicht nur schon

jetzt Auswirkungen auf den speziellen Charakter der bürgerlichen

Demokratie im Land selbst. Wenn wir es hier in wachsendem Maße mit

Menschen zu tun haben, die durch die Erfahrung des stets drohenden

abendländischen Antisemitismus traumatisiert sind, muss davon

ausgegangen werden, dass eine nicht unerhebliche Zahl von ihnen

potentielle Selbstmordattentäter sind. In diesem Zusammenhang wird seit

langem auch vom "Massada"-Komplex gesprochen. Aber anders als ihre

jüdischen Vorfahren in der antiken Festung Massada und auch anders als

die bislang bekannten islamistischen Selbstmordattentäter, gebietet das

heutige Israel über ein im Einzelnen unbekanntes aber zweifellos

gewaltigen Arsenal an Atomwaffen. Das dürfte die Handlungsfähigkeit auch

der imperialistischen Staaten, von denen Israel ökonomisch so abhängig

ist, gegenüber diesem Land eng begrenzen. 


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