Hermann Dworczak: WAS KANN DIE LINKE HEUTE VON DER OKTOBER-REVOLUTION LERNEN?

Die Oktoberrevolution zerschlug den zaristischen Staat, schuf eine ArbeiterInnenstaat, startete in Richtung einer geplanten sozialistischen Wirtschaft. Auch nach dem Fall der Sowjetunion ist ihre Bedeutung ernorm: sie zeigte, daß eine sozialistische Revolution möglich ist- auch in einem Land dessen Ökonomie (relativ) rückständig ist.

Diese fundamentalen historischen Erfahrungen sind in der Linken weitgehend bekannt, ich werde sie demzufolge HIER nicht wiederholen. Ich werde mich vielmehr auf die Frage konzentrieren, was die Linke HEUTE vom Roten Oktober, von den Bolschewiki lernen kann- wo in der überwiegenden Mehrzahl der Länder KEINE revolutionäre Situation gegeben ist.

Meiner Meinung nach sind die wichtigsten Punkte die folgenden:

– Völlige politische und organisatorische Unabhängigkeit von der Bourgeoisie

Diese Erkenntnis war selbstredend nicht neu. Marx und Engels forderten sie ein. Sie führte zur Gründung unabhängiger Gewerkschaften (anstelle von „gelben“) und ArbeiterInnenparteien. Aber viele dieser Parteien „vergaßen“ diese grundsätzlich Erkenntnis, kooperierten mehr und mehr mit dem Kapital, integrierten sich zunehmend in den bürgerlichen Staat- schließlich marschierten sie jeweils mit „ihrer“ Bourgeisie in den Ersten Weltkrieg (stimmten für Kriegskredite etc).

In diesem Sinne habe die Bolschwiki das Grundprinzip der ArbeiterInnenbewegung , unabhängig vom Bürgertum zu agieren, erneut in die politische Realität eingebracht. Und nach dem Sieg der Oktoberrevolution und der Gründung der III. Internationale  war es eine deren zentralen strategischen Axen und wurde in den Dokumenten der ersten vier Kongresse festgeschrieben.

Dieser zentrale Punkt ist HEUTE nicht nur für hochindustrialisierte Länder relevant, sondern ebenfalls oder -besser gesagt- noch mehr für Länder der „Dritten Welt“/ „Entwicklungsländer“. Nach all den negativen Erfahrungen mit „arabischem, afrikanischem,…Sozialismus“- in Wirklichkeit (klein) bürgerliche nationale Unabhängigkeitsbewegungen- ist es mehr den je notwendig diese zentrale poltische Orientierung der Bolschewiki zu unterstreichen.

Natürlich sind gemeinsame Aktionen mit dem (Klein)bürgertum dieser Länder möglich und notwendig (vor allen wenn sie einen realen antiimperialistschen charakter haben) aber keine langfristige STRATEGISCHE Kooperation – was nach wie vor die politische Linie der KP Südafrikas ist (auch in Indien laufen kommunistische Oranisationen / Parteien hinter der bürgerliche Kongreß-Partei hinterher).

– Gebrauch sämtlicher politischer Mittel

Die Bolschewiki nahmen etwa nach der Niederschlagung der Revolution 1905 an der extrem reaktionäre Duma (Abgeordenetkammer) teil.

Im Gegensatz dazu verfolgte die junge KPÖ nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eine ultralinke, putschistische Strategie (die berüchtigte „Bettelheimerei“). Sie wurde von Lenin scharf kritisiert- er forderte die Teilnahme der winzigen KPÖ an den Parlamentswahlen und geduldige politische Tätigkeit um Schritt für Schritt mehr realen Einfluß in der ArbeiterInnenklasse zu erreichen.

– Ohne Massenmobilisierung sind keine wichtigen politischen Gewinne zu erzielen

Die negativen Erfahrungen von Brasilien (Lula/ Rousseff) und Griechenland (Tsipras) sind aufschlußreich. In Griechenland stimmten 62 % (sic!) gegen den Austeritäts-Horror,  aber die Syriza geführte Regierung unterzeichnete nur wenige Tage danach die Erpressungsmemoranden der EU und des internationalen Kapitals.

– Selbst wenn die Linke Wahlen gewinnt und die REegierung stellt- der bürgerliche Staat (mit all seine Repressionsmöglichkeiten) existiert weiter. Demzufolge ist es unerläßlich Gegeninstitutionen aufzubauen (Selbstverwaltungsstrukturen; Räte;…). In Venezuela etwa wurde die Chance vertan, mit einer -teilweisen- Konversion der Ökonomie zu beginnen.

– Interne Demokratie in der (revolutionären) Partei

 Bis in den Bürgerkrieg (sic!) gab es in der bolschewistischen Partei Tendenzen /Fraktionen. Innerparteiliche Demokratie schafft die Möglichkeit alle Kräfte zu bündeln! Heute können wir sagen, daß es ein großer Fehler der Bolschwewiki war, NACH dem Sieg im Bürgerkrieg das Tendenz/ Fraktions- Verbot nicht aufzuheben.

– Kein Dogmatismus 

Dieser fand erst Eingang mit dem Sieg der Stalinismus in der SU und der III. Internationale- und das auf sämtlichen politischen und gesellschaftlichen Ebenen (bis hin zu Kunst und Wissenschaft). 

– Politische Flexibilität

 Nach dem Sieg der Revolution 1917 wurde eine KOALITIONS-Regierung gebildet (Bolschewiki und „Linke Sozialrevolutionäre“) und das Agrarprogramm der Sozialrevolutionäre umgesetzt: was die (individuelle) Bodenaufteilung beudete und NICHT die Kollektivierung!

– Internatioinalismus

Heute, wo wir die enorme Welle des Nationalismus, der Xenophobie und des Erstarken der extremen Rechten in all ihren Formen sehen- Afd!- (von Rechtspopulismus bis hin zu offen faschistischen Kräften) gilt es unumwunden zu sagen: INTERNATIONALISMUS IST NOTWENDIGER DENN JE!

Die Bolschewiki waren die Avantegarde des Internationalismus. Und es war nur logisch, daß sie nach dem Sieg der Oktoberrevolution die Basis für die Gründung der III. Internationale legten- die von Stalin in den 40-Jahren liquidiert wurde.

Heute gilt es  breite GEMEINSAME internationale Aktionen in Angriff zu nehmen. Und sie sollten kombiniert sein mit den ersten konkreten, realistischen und nicht voluntaristischen Schritten in Richtung der Bildung einer NEUEN INTERNATIONALE.

                             Hermann Dworczak (0043 / 676 / 972 31 10 )