Gustl Faschang: ÖGB-PRÄSIDENT FÜR ROTBLAU – GEWERKSCHAFTSAUSTRITT

ÖGB-PRÄSIDENT FÜR ROTBLAU – GEWERKSCHAFTSAUSTRITT
.
Ich weiß nicht, wie viele Leser_innen ÖGB-Mitglieder sind, aber vielleicht mag sich ja wer zu einem Protest bei Herrn Foglar durchringen oder sich meiner Aktion anschließen, nachdem sich der ÖGB-Präsident für rotblaue Koalitionen stark gemacht hat (und damit nebenbei auch die Bemühungen schädigt, ein großes gesellschaftliches Wahlbündnis zur Verhinderung eines rechtsextremen Bundespräsidenten Hofer zu schaffen). Falls wer was tut, bin ich natürlich auch daran und an Reaktionen darauf interessiert (es gibt ja cc oder bcc). Hier jedenfalls meine Erklärung des Austritts aus der Gewerkschaft samt Begrüdung:

.
Gesendet: Sonntag, 08. Mai 2016 um 22:33 Uhr
Von: „Gustl Faschang“ <gustl.faschang@gmx.net>
An: „Wolfgang Katzian“ <wolfgang.katzian@gpa-djp.at>, erich.foglar@oegb.at
Cc: „Service GPA“ <service@gpa-djp.at>, werner.faymann@spoe.at
Betreff: ÖGB/GPA-Austritt
Angemessen geehrter Herr Foglar, sehr geehrter Kollege Katzian!
.
Angesichts des Rufes von Herrn Foglar nach Regierungsbildungen mit der FPÖ im Profil zum 1.Mai teile ich Ihnen meinen Austritt aus dem ÖGB und daher, da dies nicht anders möglich ist, aus der GPA-DJP mit. Erstens habe ich nicht vor, auch nur einen Cent Mitgliedsbeitrag weiter an einen Verein zu zahlen, dessen Präsident sich für eine Regierungsbeteiligung von Rechtsextremen stark macht. Zweitens hängt das Gewicht der Aussagen eines ÖGB-Präsidenten auch von der Mitgliederzahl des ÖGB ab und ich will daher in dieser Waagschale nicht mehr mitgezählt werden. Ich werde dieses Schreiben auch nach Kräften unter die Leute bringen.
.
Wenn ich Ihnen schon schreibe, will ich auch auf die Absurdität Ihrer Begründung eingehen, man könne die 35% Hofer-Wähler nicht ins rechte Eck stellen. Das haben sie durch ihr Wahlverhalten schon selbst getan, aber niemand wird ihnen den Weg zurück zu demokratischen (nicht nur demokratisch gewählten) Parteien verstellen. Koalitionen werden aber ohnehin nicht mit Wähler_innen gemacht, sondern zwischen Parteien. Sollten Sie, Herr Foglar, tatsächlich Informationen brauchen, warum die FPÖ als rechtsextrem einzustufen ist, kann ich sie Ihnen gern zukommen lassen. Koalitionen mit einer rechtsextremen FPÖ abzulehnen, hat also nichts damit zu tun, FPÖ-Wählende in dem rechten Eck stehen zu lassen, in das sie sich verwählt haben.  Oder wollten Sie uns mitteilen, dass die FPÖ jetzt nicht mehr als rechtsextrem gelten kann, WEIL sie verstärkt Zulauf erhält? Stellen Sie sich vor, was das auf die wachsende (und auch demokratisch gewählte) Nazibewegung in den 30ern umgelegt bedeuten würde, dann wird die Absurdität dieses Gedankens klar. Oder waren die Nazis vielleicht nicht mehr verbrecherisch, als sie genug Wähler_innen hatten? Die Konsequenz aus den Erfolgen der FPÖ kann also nicht sein, ihre Hetze zu beschönigen. Die Konsequenz muss viel mehr sein, sich mehr anzustrengen, das wahre rechtsextreme und übrigens auch unsoziale Gesicht der FPÖ deutlich zu machen und so verirrten Wähler_innen eine deutlichere Orientierungsmöglichkeit zu geben. Mit Ihrer Behübschung der FPÖ als regierungsfähige Partei machen Sie, Herr Foglar, gerade das Gegenteil. Im laufenden Präsidentschaftswahlkampf schwächen Sie damit eine aufkommende Bewegung, die auffordert über alle Parteigrenzen und sonstigen Bedenken hinweg den Gegenkandidaten von Herrn Hofer zu wählen, weil ein rechtsextremer Präsident auf jeden Fall verhindert werden soll. Durch Ihre Bescheinigung der Regierungsfähigkeit der FPÖ unterlaufen Sie diese Argumentation demonstrativ – Was soll an Herrn Hofer so schlimm sein, wenn der ÖGB-Präsident die FPÖ in Regierungen bringen will? Vielleicht wäre es ehrlicher gewesen zu sagen, dass Ihnen Posten in künftigen Regierungen für den ÖGB wichtiger sind als der Antifaschismus, statt mit absurder Denkakrobatik die FPÖ regierungsfähig zu reden? Übrigens ist es mir ein Rätsel, warum linke Sozialdemokrat_innen am 1.Mai Sie nicht ausgepfiffen haben, Kanzler Faymann, der zur FPÖ in all den Jahren eine konsequente Haltung eingenommen hat, aber schon. Leider kann ich Sie aufgrund der besonders demokratischen Verfasstheit des ÖGB als einfaches Mitglied nicht abwählen, sodass mir nur der Austritt bleibt.
.
Sehr geehrter Kollege Katzian, ich bedauere sehr, aus den angeführten Gründen die GPA verlassen zu müssen. Ihnen und der GPA ist meines Wissens nichts vorzuwerfen, aber Sie werden wohl kaum das Dach des ÖGB verlassen, damit ich Mitglied bleiben kann. Leider hat sich unsere Korrespondenz von 2013 (siehe unten) zum Antifaschismus des ÖGB jetzt überholt. Bitte teilen Sie mir kurz mit, ob ich mit diesem Mail alle Austrittsformalitäten als erledigt betrachten kann oder ob Sie noch etwas von mir brauchen.
Ich wünsche Ihnen, sehr geehrter Kollege Katzian, weiter viel Erfolg. Sollte sich im ÖGB wieder eine antifaschistische Grundhaltung durchsetzen, erinnern Sie mich bitte daran, der GPA wieder beizutreten!
 ————————-
Gustl Faschang

Gesendet: Freitag, 06. Dezember 2013 um 16:15 Uhr
Von: „Wolfgang Katzian“ <wolfgang.katzian@gpa-djp.at>
An: gustl.faschang@gmx.net
Cc: „Service GPA“ <service@gpa-djp.at>
Betreff: AW: Klarstellung zu Rotblau
Sehr geehrter Kollege Faschang,vielen Dank für die Bestätigung unserer Haltung zur Nicht-Zusammenarbeit mit der FPÖ.Leider gibt es ja auch in unseren Reihen viele Stimmen, die dem Irrglauben aufsitzen, eine Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen könnte sozialpolitische Fortschritte bringen.
Vielen Leuten ist leider nicht bewusst, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Die Freiheitliche Partei kommt nicht nur aufgrund ihrer nicht vorhandenen Abgrenzung zur Neonaziszene und ihrer hetzerischen Aussagen als Partner für eine Zusammenarbeit nicht infrage sondern auch aufgrund ihres politischen Programms. Betrachtet man nämlich die angeblich so sozialen Forderungen dieser Partei im Detail, dann löst sich jeder soziale Anschein sofort in nichts auf.Sie können sich daher sicher sein, dass die überwältigende Mehrheit der sozialdemokratischen GewerkschafterInnen und auch ich persönlich eine rot-blaue Koalition definitiv auch weiterhin ausschließen. Wir haben auch noch nicht vergessen, welche Rückschritte die Jahre der schwarz-blauen Regierung für dieses Land bedeutet haben. Aus diesem Grund haben wir übrigens auch in der nächsten Ausgabe der Kompetenz einen Beitrag diesem Thema veröffentlicht, der gründlich mit dem dem Mythos der sozialen FPÖ aufräumt.

Mit gewerkschaftlichen Grüßen
Wolfgang Katzian

Von:        Service GPA/GB2-GSC/WIEN/GPA/OEGB/AT
An:        Wolfgang Katzian/VS/WIEN/GPA/OEGB/AT@OEGB, Kompetenz GPA/OEFFENTLICHKEITSARBEIT/WIEN/GPA/OEGB/AT@OEGB,
Datum:        05.12.2013 10:54
Betreff:        WG: Klarstellung zu Rotblau


Von:        „Gustl Faschang“ <gustl.faschang@gmx.net>
An:        service@gpa-djp.at, oegb@oegb.at,
Datum:        04.12.2013 22:47
Betreff:        Klarstellung zu Rotblau


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!
 .
Bitte leiten Sie diese Nachricht an GPA-Vorsitzenden Wolfgang Katzian und als Leserbrief an die GPA-Mitgliederzeitung und die ÖGB-Mitgliederzeitung weiter!
 .
Ich bin kurz nach Bildung der schwarzblauen Regierung (2000) der GPA und dem ÖGB beigetreten, um den schwarzblauen Versuchen zur Zerstörung von Arbeitnehmer_innenvertretungen entgegenzutreten. Und ich kann grundsätzlich keinesfalls Mitglied irgendeiner Organisation sein, deren Vertreter_innen zu Koalitionen mit Naziverharmloser_innen und Hetzer_innen aufrufen. Als nach der Nationalratswahl aus Arbeitnehmer_innenvertretungen vereinzelt Stimmen für rotblaue Regierungsverhandlungen laut wurden, stand für mich daher ein Gewerkschaftsaustritt auf der Tagesordnung. Ich bin dem GPA-DJP-Vorsitzenden, Kollegen Katzian daher für seine Klarstellung, dass Regierungsverhandlungen mit der FPÖ keine Option sein können, sehr verbunden, weil ich die gewerkschaftliche Organisation von Arbeitnehmer_innen zur Durchsetzung gemeinsamer Interessen für sehr wichtig halte und durch eine solche Klarstellung auch Teil dieser Organisation bleiben kann.
 .
Mit solidarischen Grüßen
 .
Gustl Faschang

Weiterverbreitung erwünscht!
ligrü Gustl