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Von: "Andreas Goerg" <
andreas@no-racism.net >
Betreff: [ANAR.wien]
Infos zu Betrieben mit
Deutschsprechzwang erbeten
Datum: Freitag, 06. Jänner 2012 21:58
Liebe Alle!
Zwecks Planung und Umsetzung einer Kampagne gegen
innerbetriebliche
Verordnungen, wonach die Angestellten ausschließlich
Deutsch mit den
Kund_innen reden sollen, ersucht die AG Babylon des 1.
März-Plenums um
Informationen zu jenen Betrieben, in denen (angeblich)
ein solcher
Deutschsprechzwang herrscht. Wir sind insbesondere an
Betrieben mit viel
Kund_innenkontakt interessiert. Offenbar sind die im
Falter-Artikel
genannten Bäckereien nicht das einzige Problemfeld dieser
Art. Auch von
Schulen wurde Deutschsprechzwang gemeldet, aber wir
brauchen das jetzt
genauer, um den Vorwürfen nachgehen zu können. Also falls
Ihr was dazu
wisst/ beitragen könnt, bitte melden oder dieses mail
weiterleiten.
Rückmeldungen bitte an
Hintergrund: Falter-Artikel siehe unten
cheers
Andreas
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Bir Kipferl istiyorum*
Bericht: Joseph Gepp
Aus dem FALTER 46/2011
Bäckereiangestellte dürfen mit Kunden nicht Türkisch und
Serbisch sprechen
Eigentlich spricht Ayse Kurtaran** fließend Deutsch. Aber
manchmal sei
es für Kunden leichter, in der Muttersprache zu reden,
sagt sie. Zum
Beispiel, wenn ein alter Mann, im Deutschen unsicher, auf
Türkisch
frage, was er denn bei Diabetes oder Nussallergie essen
könne. Antwortet
ihm Kurtaran auf Türkisch, räuspert sich ihr Filialleiter
jedoch mit
Missfallen. „Er sagt zu mir: ‚Du kennst doch die Regel:
Türkisch mit
Kunden zu sprechen, ist nicht erlaubt‘“.
* Ein Kipferl, bitte! Türkisch und Serbokroatisch ist
beim
Kundengespräch in Wiens Bäckereien verboten
Kurtaran, die ihren Namen aus Angst um den Job nicht in
der Zeitung
lesen will, arbeitet in einer Filiale der Bäckerei Mann
in einem Bezirk
mit vielen Migranten. Was sie sagt, bestätigen auch
Kolleginnen: Eine
Sprachregelung verbiete es Mann-Mitarbeiterinnen,
Türkisch und
Serbokroatisch mit Kunden zu reden.
Spricht jemand die Verkäuferinnen in Zuwanderersprachen
an, müssen sie
auf Deutsch antworten. „Das wird uns bereits bei der
Einstellung und
später in Schulungen gesagt“, sagt Kurtaran. „Sonst
beschweren sich
alteingesessene Österreicher, heißt es.“ Diese Regel
scheint es nicht
nur bei Mann zu geben. Türkische Ströck- und serbische
Anker-Mitarbeiterinnen bestätigen sie gegenüber dem
Falter ebenfalls für
ihre Handelsketten. Ganz im Gegensatz zu Englisch oder
Französisch, wo
das fremdsprachige Parlieren sogar erwünscht sei.
Dabei setzen sich Mann, Ströck und Anker sonst gegen
Diskriminierung und
für ein Zusammenleben der Volksgruppen ein. In
Anker-Filialen liegt das
Migrantenmagazin Biber auf. Mann engagiert sich im Verein
„Wirtschaft
für Integration“, der wirtschaftstreibenden Migranten zu
Selbstbewusstsein verhelfen will. Ströck wirbt mit dem
Slogan
„Grenzenloses Brotvergnügen“ und propagiert gern das
„gelebte
Miteinander“ in seinen Filialen, wo Menschen aus 38
Nationen arbeiten.
Experten bezweifeln jedoch, dass das Muttersprachenverbot
dem
Miteinander dienlich ist. „Es raubt den Menschen ihr
Selbstbewusstsein
und signalisiert, dass ihre Sprache nichts wert ist“,
sagt der
kurdischstämmige Sozialarbeiter Ali Gedik, der mit
türkischen
Jugendlichen arbeitet. Auch Sprachwissenschaftler Rudolf
de Cillia von
der Uni Wien nennt die Regel „respektlos und sprachlich
diskriminierend“. Sie reagiere auf eine „Ablehnung von
Andersprachigkeit“, die sich seit den 90ern breitmache.
Besonders zum
Ausdruck gekommen sei dies etwa 1999 im Café des
Hernalser Krankenhauses
des göttlichen Heilands. Dort wurden neben dem
Sprachverbot gar
Mitarbeiterinnennamen eingedeutscht. „Frau Zorica = Fr.
Rosi, Frau
Dubravka = Fr. Anni, Frau Mara = Fr. Maria“, hieß es in
einem Rundschreiben.
Was sagen die Bäckereien Anker, Ströck und Mann selbst
dazu? Ströck
streitet sie ebenso wie Mann schlicht ab. „Ein
Missverständnis“, sagt
der Sprecher von Ströck: „Selbstverständlich darf man mit
Kunden
Türkisch sprechen, genauso wie etwa Italienisch.“
Erwünscht sei
lediglich als „Gebot der Höflichkeit“, dass
Ströck-Mitarbeiter
untereinander keine Fremdsprache sprechen, wenn Kunden
danebenstehen.
Auch der Sprecher von Mann bestreitet in knappen Worten
die Existenz der
Regelung. Näheres würde er dem Falter aber nur unter der
Bedingung
erläutern, dass er die wahre Identität von Mitarbeiterin
Ayse Kurtaran
erfahre, um „dieses Missverständnis aufzuklären“.
Einzig die Sprecherin von Anker räumt ein, dass
Mitarbeiter im
Kundengespräch zur deutschen Sprache „angehalten“ würden.
„Anders kann
Integration nicht funktionieren“, meint sie. Die
Direktive sei jedoch
„eher Empfehlung als Regelung“, es drohen auch keine
Sanktionen, wenn
man jemandem etwa auf Türkisch antwortet.
Ayse Kurtaran von der Bäckerei Mann hat gelernt, auf ihre
Weise mit der
Regelung zu leben. Die meisten Kolleginnen würden sich
fügen, sagt sie.
„Aber ich rede Türkisch, wenn es passend ist.“ Einen
Rüffel des
Filialchefs nehme sie dann eben in Kauf. „Es ist doch
gut, wenn man eine
Fremdsprache spricht, oder?“
** Name von der Redaktion geändert
Hier die Kontaktadressen der oben genannten Bäckereien,
falls Sie diese
darin bestärken wollen, die Menschen- und Sprachenrechte
zu respektieren:
http://www.dermann.at/kontakt/
http://www.ankerbrot.at/index.php?option=com_facileforms&Itemid=40
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ANAR.wien mailing list
http://mailman.no-racism.net/mailman/listinfo/anar.wien