Gewerkschaft & Streiks
Von: "GLB" <>
Betreff: GLB/Lohnrunde/Arbeitszeitverkürzung/Mindestlohn
Datum: Mittwoch, 1. September 2010 11:41
Pressedienst des Gewerkschaftlichen
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Ausgabe vom 1. September 2010
Offensiver Gewerkschaftskurs
für kommende Lohnrunde notwendig
GLB für Abgeltung
von Inflation und Produktivität, gesetzlichen Mindestlohn
und Arbeitszeitverkürzung
„Jede Zurückhaltung wäre
kontraproduktiv“ meint Karin Antlanger,
Bundesvorsitzende der Fraktion Gewerkschaftlicher
Linksblock im ÖGB (GLB),
zur
anstehenden Lohnrunde, die traditionell mit den KV-Verhandlungen für die
185.000 Beschäftigten der Metallbranche eröffnet wird, die
wiederum als
Leitlinie für alle
anderen Branchen dient.
Die wieder anziehende Konjunktur darf sich nicht nur in
Profiten von
Konzernen und Banken
niederschlagen, sondern muss vor allem bei den
Einkommen der ArbeiterInnen und Angestellten spürbar
werden. Höhere Löhne
und Gehälter
bedeuten eine Stärkung der Kaufkraft und diese ist wiederum ein
wichtiger Impuls für die Inlandsnachfrage und damit auch
für den
Arbeitsmarkt.
Die Lohnabhängigen haben durch die viel
zu defensive Lohnpolitik der
Gewerkschaften und deren Unterordnung unter die verlogene
Standortargumentation des Kapitals seit langem nicht mehr
den ihnen
eigentlich zustehenden
Anteil an der gestiegenen Produktivität erhalten.
Unterm Strich sind die Nettoeinkommen inflationsbereinigt
heute nicht viel
höher als 1995.
Die gestiegene Produktivität hat sich nach dem Leitl-Motto
„Die Gewinne von heute sind die Arbeitsplätze von morgen“
allerdings nicht
am Arbeitsmarkt
niedergeschlagen, sondern wurde in Form überhöhter Profite
am Kapitalmarkt verjuxt und hat damit wesentlich zur 2008
ausgebrochenen
Krise beigetragen.
Die kommende Lohnrunde muss nach Meinung
des GLB mit einer höchst
notwendigen allgemeinen Arbeitszeitverkürzung verbunden werden, die
angesichts der enormen Rationalisierung und Produktivität
in Richtung 30
Stundenwoche gehen
muss. Auf der einen Seite Österreich ist mit 42,9 Stunden
realer Wochenarbeitszeit Europameister bei der längsten
Arbeitszeit und
mussten im Vorjahr
314 Millionen Überstunden geleistet werden. Auf der
anderen Seite weist die Arbeitslosigkeit mit 213.398
offiziell arbeitslos
gemeldeten
zuzüglich 62.865 KursteilnehmerInnen einen hohen Stand auf und
immer mehr Menschen werden in atypische Arbeitsverhältnisse
wie Teilzeit,
Geringfügigkeit (im
ersten Halbjahr durchschnittlich 298.117) oder
Leiharbeit (Stand im Juni 79.111) abgedrängt: „Dieser
Widerspruch muss durch
eine
Arbeitszeitverkürzung aufgelöst werden“, meint Antlanger.
Strikt abgelehnt werden daher vom GLB
die Ansagen der Unternehmerseite nach
noch mehr Flexibilisierung, ebenso Bestrebungen wie vom
Ring Freiheitlicher
Wirtschaftstreibender nach Verschiebung der KV-Verhandlungen auf die Zeit
nach Beschlussfassung des Budgets und auf Regionalisierung
der
KV-Verhandlungen. Ebenso
Ansagen von BZÖ-Chef Josef Bucher und
Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) für
Nullrunden im
öffentlichen Dienst:
„Das zielt in aller Eindeutigkeit auf eine Schwächung
der Verhandlungsposition der Gewerkschaften und auf ein
allgemeines Lohn-
und
Gehaltsdumping“, so Antlanger.
„Die Abgeltung sowohl der Inflation als auch der
gestiegenen Produktivität
ist
geradezu ein Muss für die Lohn- und Gehaltsverhandlungen“ fordert
Antlanger die Gewerkschaften zu einer konsequenten Haltung
in der
Lohnpolitik als
„Kerngeschäft“ auf. Gleichzeitig urgiert der GLB einen
gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde für alle
Branchen und
sieht dies als
Stärkung der gewerkschaftlichen Verhandlungsposition und
wirksamere Maßnahme als ein nebuloses Gesetz gegen Lohn-
und Sozialdumping.