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Betreff: GLB/Fiskalpakt/EU

Datum: Dienstag, 31. Jänner 2012 14:20

 

Pressedienst des Gewerkschaftlichen Linksblocks (GLB), Hugogasse 8, A-1110

Wien - Telefon +43 664 61 45 012 oder +43 1 53 444-308 - Mail office@glb.at

– Web www.glb.at    – Ausgabe vom 31. Jänner 2012

 

 

 

Stingl: Fiskalpakt ist Knute des Kapitals

 

 

Kanzler Faymann als Hampelmann von Banken und Konzernen

 

 Als Knute des Kapitals bezeichnet Josef Stingl, Bundesvorsitzender der

Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) den jetzt von 25 der 27

EU-RegierungschefInnen beschlossenen Fiskalpakt. Einmal mehr zeigt sich,

dass die EU in ihrer jetzigen Form der konzentrierte Ausdruck von

Kapitalinteressen, die Regierungen deren Vollzugsausschüsse sind.

 

 

 

„Die undemokratische Vorgangsweise macht auch deutlich, dass die

Regierungschefs immer deutlicher auf autoritärere Methoden setzen“,

kritisiert Stingl. Dies wurde bereits mit der Einsetzung von Technokraten

als Regierungschefs in Griechenland und Italien und dem Versuch Griechenland

einen EU-Aufpasser vor die Nase zu setzen deutlich. Ebenso durch die (sogar

vom ÖVP-Europaabgeordneten Otmar Karas kritisierte) beim Fiskalpakt erfolgte

faktische Entmachtung des Europäischen Parlaments und die Degradierung der

EU-Kommission zum Stiefelknecht des EU-Rates der Regierungschefs und der

Entmachtung der nationalen Parlamente in Bezug auf die Budgetpolitik als

ihre Kernkompetenz.

 

 

 

Der Fiskalpakt bringt aber auch keine Lösung der wachsenden Probleme auf

EU-Ebene, sondern trägt als Ergänzung und Fortsetzung des 2011 in der

EU-Gesetzgebung verankerten Sixpack zur Verschärfung der Krise bei: „Statt

die Schuldenbremse durch ausgabenseitige Budgetsanierungen anzusetzen,

braucht die EU kräftige Impulse zur Belebung der Wirtschaft. Das setzt

freilich die längst fällige Umverteilung auf Kosten der Profite und

Millionenvermögen voraus“, so Stingl.

 

 

 

Die besten Dämme und Rettungsschirme werden nicht in der Lage sein das

Übermaß an Kapital zu bremsen das im ungebremsten Verkehr den Sozialstaat,

den gesellschaftlichen Ausgleich und letztlich auch die selbst Wirtschaft

zerstört. Daher ist es dringend notwendig, im Sinne sozialer Gerechtigkeit

durch entsprechende die nicht aus eigener Arbeit, sondern durch die

Besteuerung der aus der Aneignung den Lohnabhängigen vorenthaltener

Produktivitätszuwächse entstandenen großen Vermögen abzuschöpfen bzw. die

Profiteure des Finanzmarktes für die von ihnen angerichteten Kosten

heranzuziehen.

 

 

 

Statt immer wieder marode Banken durch milliardenschwere Rettungspakete auf

Kosten der SteuerzahlerInnen zu sanieren und ihnen billige EZB-Kredite zu

gewähren, die sie dann teuer an Schuldnerländer verkaufen, sind ein

Schuldenschnitt und eine Vergesellschaftung der Banken notwendig. Anstelle

einer ausschließlich von monetären Kriterien bestimmten Politik muss eine an

Beschäftigung, an sozialen und ökologischen Kriterien orientierte

europäische Politik treten.

 

 

 

Der Jubel von WKO-Chef Christoph Leitl und Industriellen-Generalsekretär

Christoph Neumayer bestätigt, dass der Fiskalpakt ein beinhartes Programm

des Klassenkampfes des Kapitals gegen die Lohnabhängigen ist, wie Leitls

Bewertung als „mehr Biss“ zynisch bestätigt: „Faymann ist ein Hampelmann,

das Kapital zieht daran“ meint Stingl zur Rolle des Bundeskanzlers. Banken

und Konzernen können mit seiner „Berechenbarkeit in der europäischen

Politik“ ihre Freude haben.

 

 

 

Keinerlei Alternative zur voll im EU-Mainstream befindlichen rotschwarzen

Regierungspolitik sind die Haltungen der Rechtsparteien FPÖ und BZÖ nach

einer Zweiteilung der EU. Das würde im Klartext auf ein Kerneuropa als eine

„Germanische Union“ unter uneingeschränkter Führung Deutschlands

hinauslaufen, die Lohnabhängigen würden damit vom Regen in die Traufe

geraten. Neben Sozialbewegungen und Linksparteien sind insbesondere die

Gewerkschaften gefordert, einen sozialen Gegenentwurf zur etablierten

unsozialen Politik zu entwickeln. Das Dogma „There ist no Alternative“ muss

endlich überwunden werden.


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