dementiapace -spambog: Selig sind die Vergesslichen vom Heldenplatz!

Wer sich an die Wortspenden bei der Veranstaltung “Voices for Refugees” am Wiener Heldenplatz erinnert und von einfachem bzw. politisch naivem Gemüt ist, vermutet aktuell vielleicht einen besseren Umgang mit Flüchtlingen seitens des österreichischen Staates und hegt möglicherweise die Hoffnung er würde seinen Verpflichtungen endlich angemessen nachkommen.

Doch wer bei der Rede Heinz Fischers genau zugehört hat – dazu durfte allerdings der eigene Verstand von der bewusst geschürten Gefühlsduselei, nicht vernebelt worden sein – konnte schon ahnen, dass dieses Fest der Menschlichkeit ganz offensichtlich genau für jenes „politische Geschäft“ missbraucht werden sollte, von dem Fischer selbst sprach.

Freilich meinte er damit nicht sich und seine Partei, welche seit Jahren menschfeindliche Gesetze beschließt. Gesetze, die sich genau gegen jene „Schwestern, Brüder, Männer, Frauen, Väter und Kinder“ richten, die man nun, Fischers salbungsvollen Worten gemäß, plötzlich „sehen“ müsse um die „richtige Einstellung“ zu haben und „das Herz öffnen“ zu können. Denn Menschen in Not bräuchten „Zuwendung“ und „Verständnis“, meinte er voll sozialdemokratischer Nächstenliebe.

Erinnert sich noch wer an Fischers „Zuwendung“ für die hungerstreikenden Refugees der Votiv-Kirche? Weiß man noch wie mit Zustimmung des sozialdemokratischen Bürgermeisters Häupl deren Camp im Sigmund Freud Park in einer feigen und brutalen Nacht und Nebel-Aktion verwüstet wurde?

Fischer sprach nicht von der Verantwortung der Republik sondern von jedem und jeder Einzelnen, der/die seinen/ihren Beitrag leisten müsse. Wie wahr! Sieht man sich in einer Wiener Flüchtlingsunterbringung im dritten Gemeindebezirk um, erkennt man nämlich schnell, was der Bundespräsident unter staatlicher Verantwortung versteht.

In der Vorderen Zollamtsstraße 7, dem ehemaligen Finanzministerium, sind rund 1000 Menschen untergebracht. Für diese 1000 Menschen stehen drei Duschen zur Verfügung. Die Flüchtlinge sind in nicht versperrbaren Räumen untergebracht, die sanitären Anlagen sind mangelhaft. Sanitäter oder Ärzte stehen nicht rund um die Uhr zur Verfügung. Es mangelt an Dolmetschern, die ohnehin zum Teil ehrenamtlich mitarbeiten. Es stehen keine Waschmaschinen zur Verfügung und die Flüchtlinge, die – obwohl sie in der Grundversorgung Wien sind – kein Taschengeld erhalten, müssen, so sie können, ihre schmutzige Wäsche in Selbstbedienungs-Waschsalons auf eigene Rechnung reinigen lassen. Die Qualität des Essens entspricht den genannten Zuständen.

Doch wen schert das? Die Stimmen für und wohlgemerkt nicht der Refugees sind verklungen. Der Event zur Inszenierung von Betroffenheit und Anteilnahme ist vorbei. Später wird man sich selbstgefällig daran erinnern, dass man damals dabei war…

Daran zeigt sich auch der Wert und Sinn solcher Veranstaltungen: Fischer, Landau und Co geben ihre Rollen der Gerechten, während sich das Stimmvieh von einem Charity-Event im Ö3-Stil einlullen lässt, um dann gefühlstrunken nach Hause zu gehen. Es weiß, wen es wählen muss um zu den Guten zu gehören und im Dezember wird ihm wieder ein „Licht ins Dunkel“ geleuchtet.

Herrlich und nichts ändert sich!

Denn ganz gewiss werden die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten weiter an der Festung Europa bauen. Warum auch mit Sicherheit weitere Tausende von Menschen umkommen werden. Das Stimmvieh wird zum gegebenen Zeitpunkt wieder Betroffenheit zeigen. Bier wird reichlich fließen, Flüchtlingskinder werden mit traurigen Augen von Bildschirmen blicken und böse alte Männer aus Kirche und Staat werden wieder die Guten sein.