Bilderberg-Treffen in Telfs/ Tirol, 4.6.2015: GEHEIMBUND DER MACHT (Wilfried Hanser)

  GEHEIMBUND DER MACHT

  • 04.06.2015

Es ist der Gipfel nach dem Gipfel. Viele sagen, er sei die wichtigere Zusammenkunft. Nach dem G7-Treffen auf Schloss Elmau werden die Bilderberger geheimnisvoll in Tirol tagen. Ein Fest für Verschwörungstheoretiker.

Wien

Die Kulisse ist traumhaft. Umgeben von den mächtigen Tiroler Bergen liegt auf 1300 Meter über den Meeresspiegel das imposante Interalpen-Hotel Tyrol. Die vor 30 Jahren erbaute Luxusherberge der deutschen Baumaschinen-Unternehmerfamilie Liebherr ist dank ihrer einzigartigen Lage unweit von Seefeld der ideale Ort für das Treffen der Bilderberger. Denn die Mächtigen in Politik und Wirtschaft haben es nach dem G7-Treffen im oberbayerischen Schloss Elmau nicht weit zum österreichischen Tagungsort, der mit seinen grandiosen Panoramablick und einen 5000 Quadratmeter großen Wellness-Bereich die wichtige Persönlichkeiten verwöhnt.
Bei den Treffen der informellen Bilderberg-Treffen vom 10. bis 14. Juni, nur rund 40 Kilometer von Schloss Elmau, geht es um die großen Themen dieser Welt, darunter das Freihandelsabkommen TTIP zwischen der USA und der EU sowie die Situation in der Ukraine und in Syrien. Die Gästeliste ist geheim. Selbst die Ergebnisse oder gar Absprachen werden nicht mitgeteilt. Eine Anfrage des Handelsblatts ließ der Zirkel unbeantwortet.

Was für ein Fest für Verschwörungstheoretiker: Von einer „Weltdiktatur“ dieses ominösen Geheimbunds warnte schon 1980 Des Griffin im Buch „Die Herrscher – Luzifers fünfte Kolonne“. Autor Andreas von Rétyi wiederum macht die Bilderberger ganz konkret für eine ganze Reihe von Ereignissen verantwortlich: die Ölkrise 1973, die deutsche Wiedervereinigung, den Irakkrieg.

Organisiert wird das geheime Treffen von einem Lenkungsausschuss unter Führung von Henri de Castries, Vorstandschef des französischen Versicherungskonzerns Axa. Dem Lenkungsausschuss gehören auch eine Reihe von Bankern führender Investmentbanken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und Lazard sowie Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet und der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, aber Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld und der EADS-Chef Thomas Enders.

140 Teilnehmer erwartet

Benannt ist die Konferenz mit den handverlesenen Gästen nach dem holländischen Hotel de Bilderberg. Dort lud 1954 Prinz Bernhard der Niederlande einflussreiche Persönlichkeiten ein, um hinter verschlossenen Türen die internationalen Problem zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen.

Kritiker werfen der Bilderberg-Konferenz vor, einen angeblich gewaltigen Einfluss auf Politik und Wirtschaft außerhalb des demokratischen Meinungsbildungskongress auszuüben. Der in der Protestszene populäre Buchautor („Drahtzieher der Macht: Die Bilderberger“) Gerhard Wisnewski spricht von einer „Verschwörung der Spitzen von Wirtschaft, Politik und Medien.“
Die erwarteten 140 Persönlichkeiten können sich auf keinen freundlichen Empfang in Österreich gefasst machen. Zahlreiche Organisation wie die Globalisierungsgegner von Attac und alpenländische Parteien wie die Grünen, KPÖ und Piraten haben ihren Protest angekündigt. In Telfs, dem Ort des Interalpen-Hotel Tyrol, soll am 13. Juni eine Demonstration mit 1000 bis 2000 Menschen stattfinden. In Innsbruck ist außerdem eine alternative Konferenz für 12. Juni geplant.
Die Protestorganisationen sprechen von einem „organisierten Geheimtreffen“. Sie fordern von den Bilderbergern volle Transparenz. „Wir sind nicht einverstanden damit, dass sich demokratisch gewählte Politiker, aber auch die Inhaber großer Medienverlagshäuser, hinter verschlossenen Türen mit hochrangigen Vertreter von Militär, Geheimdiensten, Bankenwesen und Großkonzernen treffen, um aktuelle Themen von allgemeinem Interesse, die uns alle betreffen, zu besprechen“, teilten die Protestorganisationen mit.

Joschka Fischer und Peter Löscher

Die österreichische Polizei rüstet sich unterdessen für mögliche Gewalttäter. Nicht nur für das Gipfeltreffen in Schloss Elmau von 7. bis 8. Juni, sondern auch für das internationale Bilderberg-Treffen in Tirol werden die Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zwischen Österreich und Bayern massiv ausgebaut. Die Alpenrepublik bietet 2100 Polizisten für die Sicherheit der Konferenz auf. Wasserwerfer, Helikopter und Wärmebildfahrzeuge wurden bereits nach Tirol verlegt. Das Interalpen-Hotel Tyrol wird hermetisch abgeriegelt sein. Für die Sicherheit sorgt zudem ein privater Wachdienst.

Die österreichische Regierung hält sich bei dem Treffen fern. Sowohl der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) als auch Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) ließen mitteilen, dass sie trotz der Einladung durch den Bilderberg-Vorsitzenden Henri de Castries nicht nach Tirol kommen werden.

In Österreich hat das Treffen der Bilderberger unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu einer heftigen Diskussion geführt. Nach Angaben des SPÖ-Minister betragen die Kosten für das G-7- und der Bilderberg-Treffen voraussichtlich 5,7 Millionen Euro. Das österreichische Innenministerium will Zahlen erst nach den Treffen nennen.

Die Polizeibehörden verweisen darauf, dass sie zu den aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen völkerrechtlich gezwungen sei, da mindestens drei Vertreter von Staaten oder internationalen Organisation an der Tiroler Bilderberg-Konferenz teilnehmen würden. „Das mag ja für offizielle Staatsbesuche und öffentliche Veranstaltungen durchaus stimmig sein, dennoch ist es für die meisten Bürger nicht nachvollziehbar, wenn sie die Einsatzkosten der Exekutive auch im Falle einer Privatveranstaltung gänzlich alleine tragen sollen“, klagen die Protestorganisation in ihrem Blog.
In der Vergangenheit haben an den Treffen der einmal jährlich stattfindende Bilderberg-Gruppe ehemalige Politiker wie der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, der Ex-Außenminister Joschka Fischer, Ex-Siemens-Chef Peter Löscher und der Silicon-Valley-Investor Peter Thiel teilgenommen. Beim Treffen in Kopenhagen im vergangenen Jahr kam neben der niederländischen Königin Beatrix auch Google-Aufsichtsratschef Eric Schmidt, NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen und die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde.