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- Von: "Arbeitsgruppe Marxismus" < agm@agmarxismus.net
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- Datum: Montag, 18. November 2002
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- Aufstand
im
- Warschauer
Ghetto 1943
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- D u r c h d e n R a u c h
d e s G h e t t o s
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- Der Aufstand des Warschauer Ghettos war ein ebenso
außergewöhnlicher wie
- heldenhafter Kampf des Proletariats. Der Widerstand von
schlecht bewaffneten
- Juden und Jüdinnen gegen die bewaffnete Macht der SS
widerlegt die Legende,
- dass sich die jüdischen Massen gegenüber dem
Nazi-Terror fügsam verhalten
- hätten. Tatsächlich gab es in fast jedem Ghetto im von
den Nazis besetzten
- Osteuropa Widerstandsorganisationen. In vielen Ghettos
kam es auch zu
- Aufständen. Zehntausende Juden und Jüdinnen haben bei
den Partisanengekämpft
- (siehe dazu das sehr informative - wenn auch bürgerliche
- Buch von Arno
- Lustiger "Zum Kampf auf Leben und Tod, Vom
Widerstand der Juden1933-1945",
- Köln 1994).
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- In diesem breiten Widerstand war der Aufstand im
Warschauer Ghetto wegen
- seines Ausmaßes, seiner Hartnäckigkeit und seines
Heroismus hervorstechend.
- Nächsten April werden 60 Jahre seit dem Beginn des
Aufstandes vergangen
- sein. Angesichts des erneuten Anstiegs des Antisemitismus
in Europa und des
- Vormarsches rechtsextremer Parteien soll hier nicht nur
an die Schrecken des
- Faschismus erinnert werden, sondern auch an den
militanten Widerstand der
- Arbeiter/innen/klasse.
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- Der vorliegende Beitrag stützt sich in wesentlichen
Teilen auf das 1945 von
- Marek Edelman in Warschau verfasste, ebenso
erschütternde wie packende Buch
- "Das Ghetto kämpft", das seit 1993 auch auf
Deutsch erhältlich ist. Edelman
- war als Mitgliedes des Bundes (einer jüdischen
sozialistischen Organisation)
- einer der Führer des Aufstandes, als einer der wenigen
Überlebenden danach
- im polnischen Widerstand tätig und am Warschauer
Aufstand vom Herbst 1944
- beteiligt. Nach dem Krieg wurde er Arzt in Lodz und
bewahrte sich - auch
- wenn er nach Jahrzehnten stalinistischer Diskreditierung
des Sozialismus
- insgesamt mittlerweile bürgerliche Positionen angenommen
hat - eine
- kritische Distanz zum Zionismus. In einem Interview in
den 70er Jahren
- brachte Edelman die Situation der Aufständischen so auf
den Punkt: "Es ging
- darum, sich nicht abschlachten zu lassen, wenn sie kamen,
uns zu holen. Es
- ging nur um die Art zu sterben."
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- Zu Beginn des Jahres 1941 lebten in Warschau über
300.000 Juden, das damit
- nach New York die zweitgrößte jüdische Gemeinde der
Welt war. Bis Ende
- September 1943 war sie vernichtet. Die große Mehrheit
wurde von den
- Nazi-Schlächtern als Teil von Hitlers "Endlösung
der Judenfrage" umgebracht.
- Es war das Ende einer Gemeinschaft, die in Polen
Jahrhunderte lang existiert
- hatte. Um 1914 machte sie 38 Prozent der Warschauer
Bevölkerung aus. Mit der
- Wirtschaftkrise der1930er Jahre wurde aber der
ökonomische und politische
- Status der Juden immer tiefer gedrückt. Der
Antisemitismus wurde in Teilen
- der polnischen Bevölkerung - so wie in ganz Europa -
immer stärker.
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- Das führte zu einer rapiden politischen Polarisierung in
der jüdischen
- Gemeinschaft: Poale Zion, der linke Zionismus und
Vorläufer des moderneren
- Labour-Zionismus, wuchs auf Kosten des rechten. Außerdem
gab es den Bund,
- eine nicht-religiöse Organisation jüdischer
Sozialist/inn/en, die aus der
- Tradition der russischen Sozialdemokratie kam. Die
Popularität des Bundes
- wuchs in einem solchen Ausmaß, dass seine Vertreter in
die "Kehilla", die
- Führung der jüdischen Gemeinde, gewählt wurden. Aus
diesen zwei Strömungen -
- dem Linkszionismus und dem Bund - entstanden die
Jugendbewegungen, die die
- Mehrheit des Widerstandes gegen die Nazis bilden sollten.
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- Als der deutsche Imperialismus am 1. September 1939 den
Überfall auf Polen
- begann, konnten diese Organisationen freilich nur hilflos
zusehen.
- Innerhalbweniger Tage marschierte die siegreiche
Wehrmacht durch die Straßen
- von Warschau. "Nach der Eroberung Warschaus im Jahre
1939 finden die
- deutschen Besatzer die jüdische Gemeinschaft in einem
Zustand des absoluten
- Chaos und der Auflösung vor. Fast die gesamte führende
Schicht der
- Gesellschaft hatte Warschau schon am 7. September
verlassen. Politische
- Führer, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens,
Intelligenzija überließen
- die Hauptstadt ihrem eigenen Schicksal." (Marek
Edelman, "Das Ghetto
- kämpft", Berlin 1993, S. 27)
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- Zurück blieben ein kleiner Teil der Oberschicht, Teile
des
- Kleinbürgertumsund die Arbeiter/innen/klasse. Allein
diese Entwicklung
- bestimmte den späteren Aufstand als einen des
Proletariats und seiner
- Organisationen, wobei aus der Führung des Bundes einzig
Abrasza Blum
- freiwillig in Warschau blieb.
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- Im November 1939 wurden bereits die ersten Dekrete
erlassen, um Hitlers
- Ankündigung vom Januar 1939 einzuleiten: "Ich
möchte noch einmal eine
- Prophezeiung abgeben: Wenn das internationale
Geldjudentum innerhalb und
- außerhalb Europas wieder erfolgreich die Menschen in
einen Weltkrieg treibt,
- dann wird das Resultat nicht die Bolschewisierung der
Welt und ein Sieg für
- das Judentum sein, sondern die restlose Vernichtung der
jüdischen Rasse in
- Europa."
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- Auch vor der Abriegelung des Ghettos im November 1940
wurden unzählige
- repressive Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung
durchgeführt. Jüdische
- Vermögenswerte über 2.000 Zloty wurden beschlagnahmt,
keinem Juden und
- keiner Jüdin wurde erlaubt, mehr als 500 Zloty pro Monat
zu verdienen, und
- keinem Juden war das Backen von Brot gestattet. Das Ziel
war, den Willen der
- jüdischen Bevölkerung zu brechen. Oft wurden kollektive
Strafen für die
- Nichtbefolgung der Terror-Gesetze verhängt. In den
ersten Tagen des
- November1939 wurden z.B. 53 Männer aus einem Wohnblock
erschossen, weil ein
- Mieter des Hauses einen polnischen Polizisten verprügelt
hatte.
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- Um diese Maßnahmen zu unterstützen, ordneten die Nazis
zynisch die
- Etablierung eines jüdischen Altenrates (bekannt als
"Judenrat") und
- einerjüdischen Polizei an, damit ihre Anordnungen und
Wünsche ausgeführt
- würden. Die Ablehnung gegen den Judenrat und andere
Handlanger der Nazis
- stiegständig.
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- Im März 1940 fanden brutale antisemitische Pogrome
statt, die von etwa
- tausend polnischen Jugendlichen verübt wurden, die vom
deutschen
- Luftwaffenkorps vier Zloty pro Tag für die Verprügelung
von Juden bezahlt
- bekamen. Drei Tage lang wüteten sie ungehindert, aber am
vierten Tag führte
- die Miliz des Bundes Gegenaktionen durch, die in vier
offenen
- Straßenschlachten mündeten. Diese Aktionen waren gut
organisiert. Aber die
- anderen größeren jüdischen Gruppen beteiligten sich
nicht - mit dem
- Argument, das würde nur einen Gegenschlag seitens der
- Besatzungstruppenprovozieren. Das spiegelte die Ablehnung
eines Kampfes
- seitens vieler bürgerlicher und kleinbürgerlicher
Gruppen wider.
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- Im November 1940 hatten die Nazis das Ghetto mit Mauern
und
- Stacheldrahtabgeriegelt. Die Bedingungen verschlechterten
sich schnell. Die
- Anzahl der Leute, die pro Raum konzentriert war,
erreichte einen
- Durchschnitt von9,2. Der Hunger forderte einen
schrecklichen Tribut. Typhus
- und Gelbfieberverbreiteten sich in der unterernährten
Bevölkerung. Die
- monatliche Sterberate erreichte 6.000. Die Spitäler
waren überfordert - die
- Nazis hielten Lebensmittelversorgung und Medikamente
zurück. Bald waren die
- Straßen von Leichen übersät.
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- Trotz dieser miserablen Bedingungen bewies die Gemeinde
ihre
- Geschicklichkeit und ihren Willen zum Überleben. Eine
Armee von Schmugglern
- riskierte jede Nacht ihr Leben, indem sie die Einzäunung
überquerte, um
- Nahrungsmittel hineinzuschaffen. Frauen spielten dabei,
da sie im Gegensatz
- zu den meist beschnittenen Männern nicht so leicht als
Jüdinnen zu erkennen
- waren, eine besonders wichtige Rolle. Schulen wurden
gegründet,
- Theatergruppen aufgebaut, Mieterräte reparierten und
erhielten Gebäude. Um
- Hungernde zu ernähren, wurden Suppenküchen
eingerichtet. An Widerstand denkt
- aber weiter nur eine Minderheit. Die Mehrheit
konzentriert sich - auch unter
- immerkatastrophaleren Bedingungen - auf das eigene
Überleben.
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- "Dieses 'Leben' wird von jedem auf seine Art, je
nach seinen Umständen und
- seinen Möglichkeiten aufgefasst. Es bedeutet Wohlstand
für diejenigen, die
- schon vor dem Krieg reich waren, Ausschweifung und
Überfluss für
- verschiedene degenerierte Gestapo-Agenten und
demoralisierte Schmuggler; für
- die große Masse der Arbeiter und Arbeitslosen ist es
hungerndes
- Dahinvegetieren mit der Suppe aus der Volksküche und dem
rationierten
- Brot."(Edelman, ebd., S.31)
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- Im Jahre 1941 kam die Neuigkeit, dass 40.000 Juden aus
Lodz (dem damaligen
- Litzmannstadt), 40.000 aus Pommern und mehrere hundert
"Zigeuner" aus
- Bessarabien vergast worden seien. Im folgenden Jahr ging
das Gerücht um, das
- ganze jüdische Ghetto in Lublin sei liquidiert worden.
Gerade als diese
- Nachrichten ankamen, begingen die Nazis im April 1942 ein
Massaker an
- polnischen Aktivistinnen und Aktivisten. Die Aufrufe des
Bundes und anderer
- linken Gruppen zum Widerstand blieben unter der Masse
aber weiter ungehört.
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- Im Juli 1942 wurde dem Judenrat mitgeteilt, dass alle
"unproduktiven" Juden,
- also all jene, die nicht fähig waren, extrem langes und
schweres Arbeiten
- durchzustehen, anzuweisen seien, sich auf den
Umschlagplatz zu begeben - zu
- der Zugstation, die das Tor zum Vernichtungslager
Treblinka war. Wir können
- nur eine dunkle Ahnung vom Horror der Ereignisse der
nächsten zwei Tage
- haben. Marek Edelman beschreibt, wie ukrainische
Hilfs-Truppen der SS mit
- ihren Gewehrkolben die Menschen in Eisenbahnwaggons
prügelten und ungezielt
- in die Menge schossen, um sie dazu zu bringen, sich in
die Wagen zu begeben.
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- Innerhalb von zwei Tagen wurden 60.000 Leute nach
Treblinka deportiert. Bis
- September 1942 verblieben nach zahlreichen weiteren
Deportationen lediglich
- 60.000 Juden und Jüdinnen - junge, arbeits- aber auch
kampffähige Menschen -
- im Warschauer Ghetto. Die Bedingungen waren nun quälend
unterdrückerisch. Im
- Oktober 1942 wurde nun endlich die Zydowska Organizacja
Bojawa
- (ZOB -Jüdische Kampforganisation) gebildet. Ihr
Kommandant war Mordechaj
- Anielewicz von der linkszionistischen Jugendorganisation
Haschomer Hazair,
- sein Stellvertreter Marek Edelman vom Bund. Sie umfasste
Kampfeinheiten von
- allen Jugendbewegungen: des Bundes, der Stalinist/inn/en,
der Links- und
- Zentrums-Zionist/inn/en. Auch eine trotzkistische
Organisation, die bis zu
- den letzten Tagen des Aufstandes ihre Untergrundzeitung
Czworwony Sztandar
- veröffentlichte, war aktiv am Widerstand beteiligt. Nur
die rechten
- Zionisten lehnten die Teilnahme am Kampf der ZOB ab. Aber
immerhin bildeten
- in Warschau - anders als meistens in den anderen Ghettos
Polens, wo der
- jüdische Widerstand nur von der Arbeiter/innen/bewegung
getragen wurden -
- später auch die bürgerlichen jüdischen Organisationen
eine Kampfgruppe, den
- ZZW, den "Jüdischen Militärbund".
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- Das Ghetto wurde von der ZOB jedenfalls in drei
Schlüsselbereiche des
- Kommandos geteilt. Zuerst hatten sie unglaublicherweise
nur ein einziges
- Gewehr. Die ZOB führte nun neben politischer Arbeit auch
Hinrichtungen von
- jüdischen Kollaborateuren durch. Diese Aktionen wurden
oft durch die
- Infiltration der jüdischen Polizei ausgeführt. Sie
lüfteten das Klima im
- Ghetto enorm.
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- Bis zum Ende des Dezember 1942 erhielt die ZOB den ersten
Waffentransport
- vom polnischen Widerstand - laut Edelman ganze zehn
Pistolen, nach der
- "Enzyklopädie des Holocaust" fünf Pistolen
und acht Handgranaten. Angesichts
- des Streites zwischen polnischen und jüdischen
Nationalisten anlässlich der
- 50-Jahre-Gedenkfeiern zur Befreiung des KZs Auschwitz
betonte der damals
- 72-jährige Edelman bei einer Veranstaltung im jüdischen
Museum in Wien die
- Bedeutung der Verbundenheit von jüdischem und polnischem
Widerstand. Die
- Kämpfer/innen im Warschauer Ghetto hätten die ersten
Waffen vom polnischen
- Widerstand erhalten, dieser wiederum sei vom Kampf des
Ghettos angefacht
- worden. Dabei muss aber auch gesagt werden, dass die
Versuche, Waffen vom
- polnischen Untergrund zu erhalten, nicht wirklich
erfolgreich gewesen
- waren -nicht nur wegen der schweren Erreichbarkeit von
Waffen auch außerhalb
- des Ghettos, sondern auch weil sich der
polnisch-nationalistische Widerstand
- der Armia Kraiowa (deren politische Träger teilweise aus
antisemitischen
- Traditionen kamen) als nicht sehr hilfswillig erwies. Und
auch die Waffen,
- die dem Ghetto dann doch übergeben wurden, waren oft in
miserablem Zustand
- oder trafen in geringerer Zahl ein als vereinbart gewesen
war. Oft wurden
- sie nur gegen Geld an die Kämpfer/innen des Ghettos
übergeben. Am ehesten
- Unterstützung kam noch von der - nicht sehr starken -
polnischen
- Kommunistischen Partei, die auch diese erste Lieferung
organisiert hatte.
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- Diese ersten Pistolen ermöglichten es der ZOB aber
bereits, ihre erste große
- Aktion für den 22. Januar 1943 vorzubereiten. Aber bevor
sie handeln konnte,
- wurde das Ghetto am 12. Januar wieder umstellt. Die
zweite
- Liquidierungswelle hatte begonnen. Aber dieses Mal
konnten die Nazis nicht
- so handeln, wie sie wollten. Vier Kommandos der ZOB
gruben sich in Bunkern
- an der Kreuzung Mila-Straße/Zamenhof-Straße ein und
schossen auf die
- einrückenden Truppen. Nach einem harten Kampf war der
beste Teil der
- ZOB-Einheiten verloren, obwohl ihr Kommandeur, Mordechai
Anielewicz,
- überlebte. Sie begriffen nach dieser Niederlage, dass
sie verstärkt
- Partisanentechniken anwenden mussten.
-
- Eine der Kampftruppen wurde gefangen und zur Station
gebracht, um deportiert
- zu werden. Ein Mann namens Pelc wandte sich an die
Gruppe, und seine Worte
- waren so wirksam, dass sich nicht eine der 60 Personen
zum Wagen bewegte.
- Van Oeppen, der Chef des Konzentrationslagers Treblinka,
ließ alle auf der
- Stelle erschießen.
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- Im Laufe der Ereignisse des Januar 1943 gingen 80 Prozent
des ZOB-Kommandos
- verloren. Aber das Ghetto war elektrisiert durch diesen
Widerstand. Die
- Menschen rissen sich um die Teilnahme an der ZOB. Die ZOB
kommandierte bald
- das Ghetto. Sie übernahm die Finanzen des Judenrates und
besteuerte die
- reicheren Bewohner/innen, um Geld für den Ankauf von
Waffen aufzubringen.
-
- Ihre Handlungen inspirierten jetzt auch den polnischen
Untergrund, der die
- ZOB nun relativ rasch mit 50 großen Pistolen und 55
Handgranaten versorgte.
- Die ZOB führte Sabotageaktionen durch und verjagte
jüdische Vorarbeiter, die
- angestellt waren, um Juden und Jüdinnen die Annahme von
"guten"
- Arbeitsbedingungen in Arbeitslagern schmackhaft zu
machen. Die Nazis
- erkannten schnell, dass der einzige Weg, mit den
verbliebenen Juden fertig
- zu werden, der der Gewalt sein würde. Die letzte Aktion
gegen das Ghetto
- begann am 18. April 1943. Das Vorhaben war, Warschau für
den 20.April
- (Hitlers Geburtstag) "judenfrei" zu
präsentieren .In der Nacht vom 18. auf
- den 19. April umstellten die Faschisten das Ghetto mit
Maschinengewehren und
- einer Kette polnischer Polizei. Gegen ein paarhundert mit
Pistolen,
- Handgranaten und Molotowcocktails, ein paar Gewehren und
einem einzigen
- Maschinengewehr bewaffnete jüdische
Widerstandskämpfer/innen und eine mit
- Äxten, Messern und ihren bloßen Fäusten ausgerüstete
Bevölkerung traten ein
- Bataillon der Panzergrenadiere und eine
Kavallerieabteilung der Waffen-SS,
- zwei Artillerieabteilungen und eine Pionierabteilung der
Wehrmacht, eine
- Gruppe der Sicherheitspolizei, ein Bataillon der
SS-Schule in Trawniki und
- ukrainische und lettische Hilfstruppen an.
-
- Aber obwohl die "glorreiche" SS Panzer
schickte, hatte sieden Widerstand der
- ZOB unterschätzt. Im folgenden Kampf wurden in einem
gewaltigen Sieg 200
- SS-Soldaten getötet. Um zwei Uhr nachmittags an diesem
Tag gab die SS
- vorerst auf. Die jüdischen Kämpfer/innen jubelten. Ihre
schlecht bewaffneten
- Kräfte hatten den "Stoßtruppen" der deutschen
Armee eine Niederlage
- beigebracht. Als die Nazis erkannten, dass sie das Ghetto
nicht durch Kugeln
- und Panzereinnehmen konnten, entschied sich die SS
dafür, das Ghetto
- anzuzünden. Tausende gingen in den Flammen zugrunde,
aber die ZOB führte den
- Kampfweiter - mit dem Ziel, in Würde zu sterben.
-
- Emanuel Ringelblum, der Archivar des Ghetto, beschrieb
die Stimmung der
- verbliebenen jüdischen Bevölkerung: "Wir werden
untergehen, aber die
- grausamen Eindringlinge werden mit ihrem Blut für
unseren Tod bezahlen. Wir
- brauchen uns keine Gedanken um unser Überleben zu
machen, denn jeder von uns
- trägt sein Todesurteil bereits in der Tasche. Wir
sollten besser daran
- denken, mit Würde zu sterben, im Kampf zu sterben."
Und Marek Edelman fügte
- im April 1993 in einem Interview (Titel: "Dass ich
lebe, ist Zufall") mit
- dem österreichischen Nachrichtenmagazin
"profil" hinzu: "Wir wollten der
- Welt zeigen, dass sich Juden verhalten wie alle Menschen:
Wenn sie
- überfallen werden, verteidigen sie sich. Damals war es
eine Ehre zutöten.
- Wer nicht tötete, war ehrlos."
-
- Und tatsächlich fachte der Kampf des Ghettos den
Widerstand über Polen
- hinaus an. Die französische und belgische
jüdisch-kommunistische
- Untergrundpresse reagierte auf die Nachrichten aus
Warschau (die das
- imperialistische Radio London erst mit mehrwöchiger
Verspätung bekannt gab)
- mit Aufrufen zur Verstärkung des eigenen Kampfes. Sie
forderte die jüdische
- Jugend, die jüdischen Arbeiter/innen auf, dem Beispiel
von Warschau
- zufolgen: "Die Lektion von Warschau darf nicht
ignoriert werden! Eure Brüder
- und Schwestern, die heldenhaft gefallen sind, würden
Euch niemals verzeihen,
- wenn ihr Euch wie Sklaven verhaltet vor ihren Mördern,
die auch die Euren
- sind. (...) Wo immer Ihr auch seid, bildet
Kampfgruppen!" (so ein Aufruf
- der"Jüdischen Abteilung" innerhalb der
französischen Gewerkschaft CGT im
- Untergrund).
-
- Und Adam Rayski, Leiter der "Jüdischen
Sektion" der MOI, der
- Einwandererorganisation der Kommunistischen Partei
Frankreichs, berichtete:
- "Das Beispiel der Juden von Warschau führte zu
einer intensiven Rekrutierung
- neuer Kombattanten. Im Juni und Juli 1943 hat sich die
Anzahl der Aktiven in
- den bewaffneten Gruppen (der MOI) fast verdoppelt, aber
die ganze veränderte
- Geisteshaltung lässt sich nicht nur quantitativ
messen."
-
- Selbst zu dieser Zeit sicherte der Geist des Bundes und
der ZOB, dass die
- Kämpfer/innen ihre politischen Ziele nicht aus den Augen
verloren, obwohl
- sie selbst eine sozialistische Gesellschaft nicht mehr
erleben würden. Die
- ZOB gab ein "Manifest an die Polen" heraus, das
Solidarität und
- Internationalismus ausdrückte. In einem Teil hieß es:
"Durch den Rauch des
- Ghettos, das in Brand gesteckt wurde, und das Blut seiner
gnadenlos
- getöteten Verteidiger, entbieten wir, die Sklaven des
Ghettos, Euch unsere
- herzlichsten Grüße" Die Proklamation endet mit den
Worten: "Lang lebe die
- Freiheit! Tod den Henkern und Mördern! Wir müssen
unseren gemeinsamen Kampf
- gegen den Besatzer bis zum Ende fortsetzen!"
-
- Für den 1. Mai wurde eine "Feiertags"-Aktion
beschlossen: Einige
- Kampfgruppen gingen hinaus, um so viele Faschisten wie
möglich zu töten. "Am
- Abend findet der 1. Mai-Appell statt. Eine kurze Rede und
die
- 'Internationale'. In aller Welt wird heute gefeiert. In
aller Welt fallen im
- gleichen Augenblick die kurzen bedeutenden Worte. Aber
noch niemals wurde
- die 'Internationale' unter solch veränderten, solch
tragischen Umständen
- gesungen, an einem Ort, an dem ein Volk untergeht. Diese
Worte und dieser
- Gesang hallen von den ausgebrannten Ruinen wider und
bezeugen dieses Mal,
- dass im Ghetto die sozialistische Jugend kämpft, die
dies nicht vergisst,
- nicht einmal angesichts des Todes." (Edelman, ebd.,
S. 74)
-
- Im Mai kam das Ende für den Widerstand im Warschauer
Ghetto - aber es war
- ein heroisches Ende. Das Hauptquartier der ZOB in der
Mila-Straße 18 wurde
- am 8. Mai 1943, zwei Jahre vor der Kapitulation
Nazi-Deutschlands, von
- deutschen und ukrainischen Einheiten umzingelt. Von der
ZOB waren kaum mehr
- als die 120 Kämpfer im Bunker übriggeblieben. Nach
zweistündigem Beschuss
- waren die Faschisten noch immer unfähig, die Stellung
einzunehmen. Dann
- warfen sie eine Gasbombe in den Bunker. Diejenigen, die
nicht durch die
- Kugeln oder das Gas starben, begingen Selbstmord. Niemand
wollte sich lebend
- ergeben. Eine Handvoll, darunter Marek Edelman, schaffte
es durch die
- Abwasserkanäle aus dem Ghetto zu entkommen.
-
- Die heroischen Kämpfer/innen der ZOB zeigten, dass es
selbst unter den
- schlimmsten Bedingungen, selbst im Angesicht des Todes
besser ist, sich zu
- vereinigen und zu kämpfen, in Würde zu sterben, als
sich widerstandslos
- abschlachten zu lassen. Dieser Kampf entlarvt die
antisemitische Legende,
- dass die Juden wie "Schafe zur Schlachtbank" in
die Gaskammern gegangen
- wären. Aber die Geschichte des Warschauer Ghettos zeigt
auch, warum der
- Faschismus von Anfang an rücksichtslos zerschlagen
werden muss, soll die
- grenzenlose Barbarei, die seinem Sieg folgt, verhindert
werden.
-
- Das letzte Wort gehört Edelman: "Am 10. Mai 1943
ist das erste Kapitel der
- blutigen Geschichte der Warschauer Juden, das erste
Kapitel unserer
- Geschichte abgeschlossen. Das Gebiet, auf dem sich
früher das Ghetto befand,
- wird zu einem Trümmerberg, der zwei Stockwerke hoch ist.
Diejenigen, die
- gefallen sind, haben ihre Aufgabe bis zum Ende, bis zum
letzten Tropfen
- Bluterfüllt, das im Pflaster des Warschauer Ghettos
versickert ist. Wir, die
- überlebt haben, überlassen es Euch, dass die Erinnerung
an sie nichtverloren
- geht."
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