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- Von: < agm@agmarxismus.net
>
- Betreff: UNO - kriminelle Vereinigung
- Datum: Freitag, 11. April 2003
-
- Bei der Aufteilung der Beute des besetzten Irak geraten
sich
- verschiedene Teile der imperialistischen Räuber nun in
die Haare
- darüber, welche Rolle die UNO in der
"Nachkriegsordnung" spielen
- soll. Während die US-Regierung bereits Aufträge an ihr
- nahestehende Firmen vergibt (in einer davon sitzt
beispielsweise
- George Bush sen. im Management) und der ex-Shell-Manager
Philip
- Carrol als Verantwortlicher für die Privatisierung und
- Verwaltung der irakischen Ölindustrie vorgesehen ist,
versuchen
- Frankreich, Deutschland und nun auch teilweise
Großbritannien
- über die UNO einen Fuß in der Tür zu lassen.
-
- Während in Nachrichtensendungen idiotische
"Experten" ihre
- Ausdünstungen über das Pro und Kontra von Völkerrecht
und UNO
- absondern, klammern sich auch beträchtliche Teile der
- Antikriegsbewegung an die UNO. Das halten wir für
grundfalsch
- und zwar aus den Gründen, die Stefan Neumayer in dem
folgenden
- Artikel ausführt:
-
- U N O
-
- Geschichte einer
- kriminellen
Vereinigung
-
- In der heutigen Antikriegsbewegung sind wir vielfach mit
- Stimmungen konfrontiert, die eine Hoffnung in die UNO
- ausdrücken: Entgegen dem Unilateralismus der USA hätte
dort auch
- Europa etwas mitzureden. Oder: Die Inspektor/inn/en seien
die
- beste Sicherheitsgarantie und sollten einmal
weitermachen. Oder:
- Wenn die UNO doch für einen Krieg sei, müsse man dies
halt
- schweren Herzens mittragen, sei sie doch das
Weltparlament.
-
- Nicht nur für die aus der Friedensbewegung
hervorgegangenen
- Grünen ist das UNO-Mandat das Gütesiegel, das eine
Unterstützung
- der Aktion nicht nur erlaube, sondern eigentlich
notwendig
- mache. Auch "linke" Parteien wie die PDS sehen,
trotz interner
- Diskussionen, in der Zwischenzeit UNO-mandatierte Kriege
quasi
- als gerechte Kriege an, wo man von seinem sonstigen
Pazifismus
- eine Ausnahme machen kann und muss.
-
- Wir wollen im folgenden zeigen, dass die UNO genau nicht
jenes
- Weltparlament ist, als das sie oft in den Medien
erscheint,
- sondern nur ein Zusammenschluss imperialistischer Staaten
zur
- besseren (und auch mediengerechteren) Verteilung der
Beute. Und
- dass ein UNO Mandat für einen Krieg den grundsätzlichen
- Charakter dieses Krieges in keinster Weise ändert - im
Guten wie
- im Schlechten. Dazu ist allerdings eine kleine Exkursion
in die
- Geschichte nötig.
-
- Der Völkerbund
-
- Die Idee von Vereinten Nationen, die Idee eines
Völkerbundes
- geht zurück bis zur Herausbildung der modernen
Nationalstaaten.
- Vertrat gegen Ende des 17.Jahrhunderts schon der Quäker
William
- Penn die - allerdings noch stark utopistisch geprägte -
Idee
- eines europäischen Staatenkongresses, so geht die Idee
eines
- Völkerbundes im engeren Sinn auf den Königsberger
Philosophen
- Immanuel Kant zurück. Zur Zeit der französischen
Revolution
- entwickelte Kant in der Schrift "Zum ewigen
Frieden" die Idee
- eines Bundes von gleichberechtigten Staaten zur Schaffung
von
- Weltfrieden. Nachdem es schon in der zweiten
Hälfte des
- neunzehnten Jahrhunderts zur Gründung verschiedener
- internationaler Organisationen kam (wie etwa des
Internationalen
- Verbandes zum Schutz des gewerblichen Eigentums), wurde
um die
- Jahrhundertwende auf den beiden Haager
Friedenskonferenzen eine
- Landkriegsordnung und ein (auf freiwilliger Akzeptanz
- basierender) Schiedsgerichtshof eingerichtet, die
- zwischenstaatliche Konflikte schlichten oder zumindest
die
- Kriege "humanisieren" sollten. Weitergehende
Vorschläge über
- Abrüstung und staatliche Sicherheitsgarantien
scheiterten an den
- innerimperialistischen Widersprüchen.
-
- Während des ersten imperialistischen Weltkriegs wurde
nun real
- Kurs auf einen Völkerbund genommen, insbesondere in
- Großbritannien und den USA sah man darin ein geeignetes
- Instrument endlich zur ersehnten Abrüstung zu kommen -
natürlich
- nur auf Seiten des Gegners (und Verlierers), den
Mittelmächten;
- auch sollte er zur Vergabe von Verwaltungsmandaten über
- ehemalige deutsche Kolonien dienen. Und die USA, deren
Präsident
- Wilson die Rolle des Initiators bei der Gründung des
- Völkerbundes spielte, sahen in ihm auch ein Instrument
zur
- Öffnung der Märkte für ihre Produkte. Zur Gründung
des in Folge
- in Genf residierenden Völkerbundes kam es dann bei den
Pariser
- Friedensverträgen, neben den 32 (!, ja so viele hatten
sich dem
- Raubzug dann noch schnell angeschlossen) Siegerstaaten
des
- ersten Weltkriegs wurden 13 weitere, neutrale Staaten als
- Gründungsmitglieder aufgenommen. Die Verliererstaaten
mussten
- zwar die Völkerbundsatzung mit den Friedensverträgen
- unterschreiben, durften dem Völkerbund aber erst nach
und nach
- beitreten.
-
- Die Anzahl der Mitgliedsländer des Völkerbundes ändert
sich
- rasant, einerseits traten neue Mitglieder bei, andere
Staaten
- verließen wegen Differenzen den Völkerbund. Und obwohl
er
- faktisch erst 1946 aufgelöst wurde, scheiterte er schon
viel
- früher an den realen Widersprüchen der Interessen der
- Mitgliedsstaaten. Die USA, trotz ihrer zentralen Rolle
bei der
- Gründung, traten dem Völkerbund erst gar nicht bei, da
sie
- glaubten, ihre nationalen Ansprüche eher ohne ihn
durchsetzen zu
- können. Und auch die anderen großen Siegerstaaten, die
den
- Völkerbund organisatorisch dominierten, nutzten ihn für
ihre
- Interessen aus wo es ging, scherten sich aber überhaupt
nicht um
- ihn, wenn er ihnen im Wege stand. So okkupierte Japan
1931 die
- Mandschurei und Italien 1935 Abessinien gegen die
Satzungen des
- Völkerbundes (aber mit stiller Billigung Frankreichs und
- Großbritanniens); beide verließen bald darauf
freiwillig den
- Völkerbund, genauso wie Deutschland, das sich nicht an
die
- Rüstungsbeschränkungen halten wollte...
-
- Die UNO: Gründung,...
-
- Schon 1940/41, zu Beginn des zweiten imperialistischen
- Weltkrieges, machten sich die USA und Großbritannien
daran,
- nochmals nachzusetzen und eine verbesserte Version ihres
- Völkerbundkonzeptes herauszubringen, die klar von ihnen
- dominiert werden sollte. Ziel war wiederum die Abrüstung
der
- "schuldigen Nationen" (worunter nicht nur die
Achsenmächte,
- sondern auch alle von diesen ohne allzu viel Widerstand
- überfallenen Nationen gezählt wurden) und eine
Neuordnung der
- Weltwirtschaft: Öffnung der Märkte, freier Zugang zu
- Rohstoffquellen und die Etablierung eines festen
- Wechselkurssystems. Doch schon hier tauchten erste
Widersprüche
- auf: Zielten die USA darauf ab, mit ihrer ökonomischen
Potenz
- eine Dominanz auszuüben, wollte Großbritannien eine
besondere
- Rolle seines Commonwealth festgeschrieben wissen und die
- Vormachtstellung der USA durch Festschreibung einer
regionalen
- Zuständigkeit einschränken.
-
- Doch als 1945 in San Francisco die Organisation der
Vereinten
- Nationen (UNO) mit der Verabschiedung der Charta
gegründet
- wurde, hatte sich durch das weitere Kriegsgeschehen das
globale
- Machtgleichgewicht verschoben, auch Frankreich, China und
die
- Sowjetunion mussten als globale Führungsmächte
anerkannt werden.
- Um eine allzu große Dominanz des Westens zu verhindern
wollte
- die Sowjetunion, die ja die Hauptlast des Krieges
getragen
- hatte, Einzelbeitritte aller 15 Teilrepubliken, was die
USA
- ablehnten, schließlich traten Russland, Weißrussland
und die
- Ukraine der UNO bei.
-
- Auch viele Linke heften sich die "universellen"
Menschenrechte,
- die im Zuge der UNO-Gründung deklariert wurden, allzu
unkritisch
- ans Banner. Sowohl die proklamierte Universalität, als
auch die
- realen Widersprüche zwischen den einzelnen
"Rechten" zeigen nur
- allzu deutlich deren utopischen Charakter. Das kapitalistische
- System steht deren konsequenter Umsetzung fundamental
im Wege,
- trotzdem werden sie nur allzu gern von imperialistischen
Mächten
- zur Durchsetzung der eigenen politisch-ökonomischen
Ziele
- genutzt.
-
- ...Struktur...
-
- Fast alle Staaten der Erde sind Mitglied der UNO, jedem
von
- ihnen steht Sitz und Stimme im Plenum, der
Generalversammlung,
- zu. Die Stimme jedes Landes zählt hier gleich, egal ob
es nur
- einige tausend oder eine Milliarde Einwohner hat -
nämlich in
- der Regel nichts, besitzt die Generalversammlung doch
real nur
- wenig Einfluss, genauso wie der von ihr gewählte
- Generalsekretär. Das zentrale Gremium, das die reale
Macht in
- der UNO ausübt, ist der Sicherheitsrat.
-
- Auch wenn sich die Modalitäten im Sicherheitsrat seit
der
- Gründung leicht verändert haben, ist die Kernstruktur
die selbe
- geblieben. Er besteht aus fünf ständigen Mitgliedern
(USA, GB,
- Frankreich, Russland und China, dessen Sitz allerdings
bis 1971
- (!) von Taiwan eingenommen wurde). Weiters gibt es zehn
- nichtständige Mitglieder, die nach einem gewissen
- Regionalschlüssel jeweils für zwei Jahre von der
- Generalversammlung gewählt werden. Eine Entscheidung
kann mit
- neun Stimmen getroffen werden, allerdings darf keines
(!!) der
- ständigen Mitglieder dagegen stimmen, denn diese haben
ein
- Vetorecht. Auch die Generalversammlung kann dann nichts
mehr
- machen, gilt doch eine Sperrklausel: In Konflikten, in
denen der
- Sicherheitsrat - dessen Beschlüsse übrigens für alle
Mitglieder
- bindend sind - aktiv geworden ist, darf die
Generalversammlung
- keine Empfehlung mehr abgeben. Wir haben also die
bemerkenswerte
- Situation, dass das Gremium, in dem alle vertreten sind,
nichts
- Relevantes zu sagen hat, während das Gremium, das durch
einige
- Großmächte beherrscht ist, den Ton angibt.
-
- Ein weiteres wichtiges Organ der UNO ist der Wirtschafts-
und
- Sozialrat ECOSOC, die Drehscheibe zu den Sonder- und
- Spezialorganisationen. Währen die 14
Spezialorganisationen (etwa
- das Kinderhilfswerk UNICEF) dem ECOSOC direkt unterstellt
(und
- somit meist schlecht finanziert) sind, sind die 16
- Sonderorganisationen nur lose angebunden und verfügen
über
- eigene Strukturen und finanzielle Mittel. Hierzu gehören
etwa
- die Bretton-Woods Organisationen Weltbank und
Internationaler
- Währungsfonds (IWF), die durch eine besondere Art des
- Stimmrechts glänzen: Die Anzahl der Stimmen, die jedes
Land hat,
- hängt Proportional vom Finanzierungsbeitrag ab, was zu
einer
- absoluten Dominanz der imperialistischen Länder führt.
-
- ...und Funktion
-
- Die Nützlichkeit von Daten oder Statistiken, die UNO-
- Organisationen aufstellen, bestreitet niemand, auch
Aktionen der
- humanitären Hilfe sind nicht abzulehnen, auch wenn die
Ursachen
- meist auf die führenden UNO-Mitgliedsländer selbst
zurückgehen.
- Doch das sind Nebensächlichkeiten, für die die UNO als
solche
- nicht erforderlich wäre.
-
- Die UNO ist erst einmal ein riesiges Beamten- und
Diplomatenheer
- im Dienste der verschiedenen Staaten, das von den realen
- Bedürfnissen der lohn-abhängigen Bevölkerung in seinen
Ländern
- weder Ahnung hat noch Interesse an ihnen. Dafür verbirgt
sich
- unter dem schönen "Abkommen zur Sicherung der
Tätigkeit der UN"
- von 1946/47 großteils eine Auflistung der "den UN
und ihren
- Beamten gewährte(n) Immunitäten und Privilegien"
bzw. derer der
- Spezialorganisationen - von der Steuerbefreiung bis zur
- rechtlichen Immunität.
-
- Die reale Machtverteilung ist durch die obige Schilderung
des
- Sicherheitsrates wohl zur Genüge charakterisiert, hinzu
kommt
- das massive Phänomen des Stimmenkaufs. In der
Entscheidung zum
- Golfkrieg 1990/91 ließ sich China etwa den Verzicht auf
sein
- Veto durch ein Ende der Wirtschaftssanktionen (wegen des
- Tian'anmen-Massakers) und einen Weltbankkredit über 114
Mio. US-
- $ - der prompt eine Woche nach der Abstimmung eintraf -
- erkaufen. Andererseits verlor etwa der Jemen durch
sein Nein
- seine gesamte US-Entwicklungshilfe. Auch heute, im
Vorfeld
- eines neuerlichen Irakkrieges, ähnelt der Sicherheitsrat
eher
- einer der Mafiaversammlung, wo der Pate zu den
Kleinkriminellen
- sagt: "Leute, ich habe euch ein Geschäft
vorzuschlagen, zu dem
- ihr nicht nein sagen könnt."
-
- Auch die Wirkung von UNO-Resolutionen kann höchst
verschieden
- sein, nicht alle werden so nachdrücklich verfolgt wie
die zur
- Gutheißung imperialistischer Kriegspläne. Als
Paradebeispiel für
- zwar mit großer Mehrheit beschlossene aber doch völlig
- ignorierte Resolutionen zählen die Resolution 242 zum
Rückzug
- Israels aus den während des Sechs-Tage-Krieges besetzten
- Gebieten und die Resolution gegen die US-Sanktionen gegen
Kuba.
-
- Und wenn es sich im Sicherheitsrat doch einmal spießt,
haben die
- zentralen imperialistischen Staaten auch noch andere
- Möglichkeiten. Sie können die Entscheidungen in
- Sonderorganisationen mit anderem Stimmrecht (wie Weltbank
oder
- IWF), oder ganz aus dem UNO System verlagern: Es gibt ja
auch
- noch die WTO oder gar die G7/G8, da gibt es dann keine
lästigen
- 3.Welt-Staaten mehr, die mitreden wollen.
-
- Die UNO im Krieg: Golfkrieg 1990/91, Korea 1950-53,...
-
- Im Folgenden wollen wir uns mit den
Militärinterventionen unter
- Ägide der UNO auseinander setzen - diese werden ja oft
und gerne
- als positives Gegenstück zum Unilateralismus der USA
gesehen. In
- der Geschichte der UNO kam es bislang zu keinen
eigentlichen
- UNO-Kampfeinsätzen, sondern nur zu UNO-mandatierten
Einsätzen
- einzelner Staaten oder Koalitionen, die nicht einmal
unter UNO-
- Insignien kämpften (mit der einzigen Ausnahme des
Koreakrieges).
-
- Der bekannteste Einsatz ist sicher der Golfkrieg von
1990/91, in
- dem, nachdem der Irak ursprünglich mit scheinbarer
Billigung
- Washingtons Kuwait überfallen hatte, unter US-Führung
eine
- internationale Koalition auf den Plan trat, Kuwait zu
- "befreien". Nach einem Gefeilsche im
Sicherheitsrat, bei dem die
- Imperialisten Russland und China einkauften, gab es das
- geheiligte UN-Mandat und die US-Militärmaschinerie
konnte
- losschlagen. Die Operation Desert Storm kostete 200.000
Irakis
- das Leben. Ergebnis des Krieges war ein völlig
zerstörtes Land,
- das zwar weiterhin vom brutalen Diktator Saddam Hussein
- beherrscht wurde, zusätzlich aber noch UNO-Sanktionen
hinnehmen
- musste, die selbst nach UNO-Angaben das Leben von einer
Million
- Irakis forderte, darunter die Hälfte Kinder unter 5
Jahren; die
- weiteren Folgen sehen wir jetzt (näheres dazu in unserer
- Broschüre Der Irak im Fadenkreuz des
Imperialismus). 1990/91
- war die UNO nichts anderes als der "legale"
Deckmantel für die
- verstärkte imperialistische Durchdringung der
Golfregion.
-
- Der erste große Kampfeinsatz mit UNO-Mandat, bei dem als
- einzigem die Truppen sogar unter der UNO-Fahne kämpften,
war
- allerdings schon der Koreakrieg 1950-53. Auf der
Potsdamer
- Konferenz einigten sich die Alliierten auf eine geteilte
- Besetzung der koreanischen Halbinsel, die Sowjetunion war
für
- die Gebiete nördlich des 38. Breitengrades zuständig,
die USA
- für den Süden. Während im Norden nach Vorbild der
UdSSR ein
- degenerierter Arbeiterstaat geschaffen wird, entsteht im
Süden
- mit Unterstützung der USA eine Diktatur unter Syngman
Rhee,
- gestützt auf die kleine koloniale Bourgeoisie. Beide
erheben
- Anspruch auf die gesamte koreanische Halbinsel, was
wiederholt
- zu bewaffneten Grenzkonflikten führt.
- Als nach Drohungen des Südens der Norden eine Offensive
startet,
- tritt auf Initiative der USA, die eine Ausbreitung des
- "Kommunismus" verhindern wollen, die UNO auf
den Plan. Da die
- UdSSR aus Protest gegen die Inanspruchnahme des
chinesischen
- Sitzes durch Taiwan den UNO-Sicherheitsrat boykottiert,
- beschließt dieser die Mitgliedsstaaten aufzurufen, eine
Armee
- zur Verteidigung des Südens aufzustellen. Das
titoistische
- Jugoslawien, das zwar im Sicherheitsrat wegen einseitigen
- Vorgehens gegen den Antrag stimmt, unterstützt
letztendlich den
- Krieg, in dem Nordkorea Unterstützung von China erhält.
Nach
- wechselvollen Kämpfen mit über drei Millionen Toten
kommt es
- letztendlich de facto zur Wiederherstellung des Status
quo ante.
- Die Folgen sind insbesondere für den durch amerikanische
- Luftangriffe völlig zerstörten Norden verheerend, doch
auch die
- Lage der Bevölkerung im weiterhin diktatorisch regierten
Süden
- ist katastrophal. Bereits 1950 hatte sich also die UNO
als
- Instrument der imperialistischen Außenpolitik erwiesen.
-
- Die kriminelle Realität der UNO-Interventionen könnte
man etwa
- auch am Beispiel der Intervention in Somalia 1993 zeigen,
im
- Folgenden wollen wir dies allerdings an zwei Aktionen
- darstellen, die allgemein als geglückt und beispielhaft
gelten,
- gerade bei den UN-Freund/inn/en unter den Kritiker/inne/n
des
- Irakkrieges: Die Operation zur Wiederherstellung der
- Unabhängigkeit Ost-Timors 1999 und die Operation Restore
- Democracy in Haiti 1994.
-
- ...Haiti 1994...
-
- Die Republik Haiti nimmt neben der Dominikanischen
Republik auf
- der Karibikinsel Hispaniola die kleinere, westliche
Hälfte ein.
- Nachdem sie in der ersten Hälfte des Jahrhunderts
teilweise von
- den USA direkt besetzt wurde, herrschte Jahrzehnte lang
eine
- pro-amerikanische Militärdiktatur unter dem Familienclan
der
- Duvaliers, Haiti zählte zu den weltweit ärmsten Länder
mit einer
- Analphabet/inn/enrate von über 60%. 1991 wird der als
links
- geltende und bei der Bevölkerung sehr populäre
- Befreiungstheologe Jean-Bertrand Aristide mit
überwältigender
- Mehrheit zum Präsidenten gewählt, sehr zum Ärger der
USA. Ein
- linkspopulistischer Präsident im eigenen Hinterhof, der
- eventuell sogar mit Kuba Kontakt aufnehmen könnte, ist
ihnen zu
- viel. Aristide wird noch im Jahr seines Amtsantrittes
durch
- einen CIA-gestützten Militärputsch gestürzt, eine
Militärjunta
- unter Raoul Cédras übernimmt die Macht.
-
- Nachdem sich die Militärjunta vom US-Einfluss zu
befreien sucht
- und vor allem nachdem immer mehr Haitianer, vor dem
Terror des
- Schreckensregimes auf der Flucht, in Florida eintreffen,
- entschließen sich die USA zu handeln. Nachdem sie einmal
den
- gestürzten Präsidenten Aristide dazu bringen, mit dem
- Internationalen Währungsfonds ein
Strukturanpassungsprogramm,
- d.h. Privatisierungen, für den Fall der Rückkehr
- auszuverhandeln, holen sie sich grünes Licht von der
UNO. Der
- Sicherheitsrat gibt grünes Licht (auch China verzichtet
auf ein
- Veto, hatte doch die Haitianische Junta ihr
UNO-Stimmrecht an
- den Erzfeind und nicht-mehr-UNO-Mitglied Taiwan verkauft)
und
- 20.000 US-Truppen intervenieren 1994 auf Haiti in der
Operation
- Restore Democracy. Juntachef Cédras bekommt Exil in
Panama, die
- USA zahlen ihm eine monatliche Miete für seine
Besitztümer in
- Haiti. Der Regierung Haitis sind dank der IWF- Abkommen
die
- Hände gebunden; obwohl die US-Truppen inzwischen
abgezogen sind,
- haben die USA weiterhin alles unter Kontrolle, so meinte
es
- jedenfalls der Vize Außenminister der
Clinton-Administration,
- Talbot. Für die Bevölkerung gibt es weiterhin nichts zu
lachen.
- Die Armee wurde zwar zugunsten einer nationalen Polizei
- aufgelöst, bewaffnete Banden, hauptsächlich aus
Ex-Soldaten
- gebildet, machen jedoch die Städte unsicher, die
ökonomische und
- soziale Lage ist weiterhin mehr als prekär.
-
- ...und Ost-Timor 1999
-
- Seit der Machtübernahme durch Suharto 1965, bei der
über eine
- Million Sympathisant/inn/en der dortigen KP ermordet
wurden,
- galt Indonesien als treuer Bündnispartner des Westen,
und
- insbesondere der USA. Deswegen störte es auch niemanden,
dass
- Indonesien nach Portugals Rückzug aus der Kolonie
Ost-Timor 1975
- dieses besetzte; die "Befriedung" forderte an
die 200.000
- Todesopfer. Profiteur davon war das benachbarte
Australien, das
- nun, ohne die Konkurrenz Portugals, die Möglichkeit
hatte, die
- reichen Ölvorkommen in der Timor-See zu fördern.
-
- Doch Portugal setzte auf ein unabhängiges Osttimor und
bekam in
- den 90ern - unter geänderten globalen Umständen - in
der UNO
- dafür stärkere Unterstützung, während Australien zur
Sicherung
- des Status quo auf eine Autonomielösung setzte. Unter
immer
- stärkeren Druck zeigte sich Indonesien zu einem
Referendum
- "Unabhängigkeit oder Autonomie" bereit. Trotz
des Terrors von
- indonesischen Paramilitärs sprach sich eine Mehrheit der
- Bevölkerung für die Unabhängigkeit aus - danach
eskalierte die
- Situation, es kam zu Massakern an Timores/inn/en.
-
- Dies war der Punkt, an dem die UNO ein Mandat für eine
- Intervention gab, eine Intervention, die von einigen
- linksradikalen Organisationen, selbst von manchen mit
- trotzkistischem Selbstverständnis, gutgeheißen wurde.
Im Streit
- um die Leitung der Friedenstruppe INTERFET kam es wieder
zu den
- alten Rivalitäten zwischen Australien und Portugal,
diesmal
- machte Australien das Rennen. Danach wurde mit der
- Übergangsverwaltung UNTAET de facto ein UNO-Protektorat
- geschaffen, wieder kam es zur selben Konkurrenz, diesmal
mit
- leichten Vorteilen für Portugal.
-
- Bilanz: Die Unabhängigkeit ist ein Protektorat, die
soziale Lage
- der Timores/inn/en wird schlechter, obwohl eine kleine
- Oberschicht durchaus profitieren kann. In letzter Zeit
kommt es
- auch vermehrt zu Protesten gegen die UN-Verwaltung. Über
die Öl-
- und Gasreserven in der Timor-See ist das letzte Wort noch
nicht
- gesprochen.
-
- Fazit
-
- Wie wir gesehen haben bleibt ein imperialistischer Krieg
ein
- imperialistischer Krieg, mit oder ohne Segen der UNO. Das
- Weltparlament ist kein solches sondern nur Maske und
Instrument
- zur Durchsetzung imperialistischer Interessen.
Völkerbund und
- UNO selbst sind Ausdruck und Folge der sich
durchsetzenden
- hegemonialen Verhältnisse in der imperialistischen
Welt-ordnung.
- Auch die Sowjetunion näherte sich dem Völkerbund erst
nach ihrer
- Stalinisierung, aufgrund der Interessen der Bürokratie
(und
- damit des bürgerlichen Staatsapparates), und nicht der
des
- Proletariats des Arbeiter/innen/staates.
-
- Revolutionäre Kräfte in der Antikriegsbewegung sollten
in
- keinster Weise Hoffnungen in die UNO setzen, sondern im
- Gegenteil auch den UNO-freundlichen Kräften der Bewegung
- geduldig deren Charakter darlegen und für einen
konsequenten
- Kampf, sowohl gegen die US-Aggression als auch den
Hauptfeind im
- eigenen Land werben.
-
- Quellen
- Günther Unser, Die Uno. Aufgaben und Strukturen der
Vereinten
- Nationen, München 61997
- Andreas Zumach, Vereinte Nationen, Reinbek 1995
- Sylvia-Yvonne Kaufmann (Hg.), Frieden schaffen! Mit
UNO-Waffen?,
- Berlin 2000
- http://www.wsws.org
- http://www.spiegel.de
-
-
-
- K o m m u n i s m u s u n d V ö
l k e r b u n d
-
- Positionen bei Lenin, Trotzki und Stalin
-
- zusammengestellt von Stefan Neumayer
-
- Im folgenden wollen wir mit einigen Zitaten die Position
einiger
- Klassiker zum Völkerbund, dem Vorläufer der UNO
darlegen.
- Scheinen bei oberflächlicher Betrachtung zwischen der
Losung der
- Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa und der
Idee des
- Völkerbundes gewisse Ähnlichkeiten, so stellt sich bei
näherer
- Betrachtung ihr diametraler Unterschied heraus, nämlich
in ihrem
- Klasseninhalt: Ist der Völkerbund eine Camouflage der
- verschiedenen nationalen Bourgeosien zur Durchsetzung der
- eigenen Interessen gegen die anderer Länder, so sollen
die
- Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa die
- Proletarier/innen der verschiedenen Länder
zusammenführen.
-
- Dies war den Bolschewiki von Anfang an klar, natürlich
traten
- sie nicht dem Völkerbund bei, der die Gegenregierung des
weißen
- Admirals Koltschak anerkannte. In Bezug auf den
Völkerbund und
- die harten Bedingungen des Versailler Systems formulierte
Lenin
- 1920 im ursprünglichen Entwurf der Thesen zur nationalen
und
- kolonialen Frage für den zweiten Kongress der
Kommunistischen
- Internationale:
-
- "Der imperialistische Krieg 1914-1918 hat die
Verlogenheit der
- bürgerlich-demokratischen Phrasen vor allen Nationen und
vor den
- unterdrückten Klassen der ganzen Welt besonders klar
aufgedeckt,
- indem er praktisch vor Augen führte, dass der Versailler
Vertrag
- der vielgepriesenen "westlichen Demokratien"
eine noch brutalere
- und niederträchtigere Vergewaltigung der schwachen
Nationen ist
- als der Brest-Litowsker Vertrag der deutschen Junker und
des
- Kaisers. Der Völkerbund und die ganze Nachkriegspolitik
der
- Entente enthüllen diese Wahrheit noch deutlicher und
schärfer,
- wodurch sie überall den revolutionären Kampf sowohl des
- Proletariats der fortgeschrittenen Länder als auch aller
- werktätigen Massen der kolonialen und abhängigen
Länder stärken
- und den Zusammenbruch der kleinbürgerlich-nationalen
Illusionen
- beschleunigen, dass ein friedliches Zusammenleben und
eine
- Gleichheit der Nationen unter dem Kapitalismus möglich
seien."
-
- Diese klar ablehnende Haltung zum Völkerbund forderte
die
- Komintern auch von ihren Mitgliedern. In der sechsten
- Aufnahmebedingung heißt es:
-
- "Jede Partei, die der III. Internationale angehören
will, ist
- verpflichtet, nicht nur den offenen Sozialpatriotismus,
sondern
- auch die Falschheit und Heuchelei des Sozialpazifismus zu
- entlarven: den Arbeitern systematisch vor Augen zu
führen, dass
- ohne revolutionären Sturz des Kapitalismus keinerlei
- internationales Schiedsgericht, keinerlei Gerede von
- Einschränkung der Kriegsrüstungen, keinerlei
"demokratische"
- Reorganisation des Völkerbundes imstande sein wird, die
- Menschheit vor neuen imperialistischen Kriegen zu
bewahren."
-
- Am deutlichsten Formulierte Lenin, der den Völkerbund
auch eine
- "Diebesküche" und "Räuberhöhle"
nannte, diese Position 1922
- gegenüber dem Korrespondenten der britischen Zeitungen
Observer
- und Manchester Guardian, Farbman:
-
- "Wir sind natürlich Gegner des Völkerbundes, und
ich denke, dass
- nicht nur unsere ökonomische und politische Ordnung mit
ihren
- Besonderheiten unsere ablehnende Haltung zum Völkerbund
- hervorruft, sondern dass auch die Interessen des
Friedens,
- betrachtet vom Standpunkt der konkreten Bedingungen der
gesamten
- gegenwärtigen internationalen Politik überhaupt, unsere
- ablehnende Haltung vollauf rechtfertigen. Der Völkerbund
trägt
- so offenkundig alle Züge seiner Herkunft aus dem
Weltkrieg, ist
- so untrennbar mit dem Versailler Vertrag verbunden,
ermangelt so
- ganz und gar dessen, was auch nur entfernt einer realen
- Herstellung der Gleichberechtigung der Nationen ähnelt,
was
- reale Aussichten für ein friedliches Zusammenleben
zwischen
- ihnen eröffnet, dass mir scheint, unsere ablehnende
Haltung
- gegenüber dem Völkerbund ist verständlich und bedarf
keiner
- weiteren Kommentare."
-
- Doch nach der Stalinisierung der III.Internationale, als
die
- Stalinführung, ganz auf Volksfrontlinie, sich mit den
westlichen
- Demokratien Großbritannien und Frankreich zu arrangieren
suchte,
- war von all dem keine Rede mehr. Die Sowjetunion trat
1934 dem
- Völkerbund bei, was die amtliche Iswestija so
kommentierte:
-
- "Die Sowjetunion schlug den weitgehendsten Plan
einer
- vollständigen Abrüstung vor; der Vorschlag wurde jedoch
nicht
- angenommen. Allein ihr Auftreten blieb nicht ohne
Wirkung. Die
- UdSSR bewies damit, dass sie der einzige Staat ist, der
- tatsächlich konsequent die Sache des Friedens vertritt.
Diese
- Friedenspolitik der Sowjetunion zwang sogar viele ihrer
Feinde,
- die Ehrlichkeit der Friedensbestrebungen der
Sowjetregierung
- anzuerkennen. Die Stellung, die sich die Sowjetunion
durch ihre
- unbeirrbare Friedenspolitik erobert hatte, hatte zur
Folge, dass
- die Mehrzahl der Mitglieder des Völkerbundes sie zum
Eintritt in
- den Völkerbund aufforderte."
-
- Leo Trotzki, der hellsichtige Kritiker des Stalinismus,
bemerkte
- die Annäherung der Sowjetunion an den Völkerbund schon
1933, wie
- im Artikel Alarmsignale, der im Bulletin der Linken
Opposition
- gedruckt wurde, zu lesen ist. Der Beitritt der
Sowjetunion
- erfolgte ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die
reale
- Bedeutung des Völkerbundes immer mehr abnahm. In der
1934
- erschienen Broschüre Krieg und die Vierte Internationale
- formulierte Trotzki es so:
-
- "2. Europa, unlängst Schauplatz des größten aller
Kriege,
- taumelt, von Siegern und Besiegten gestoßen ohne
Unterlass dem
- Verfall entgegen. Der Völkerbund, der dem offiziellen
Programm
- nach "den Frieden organisieren", in
Wirklichkeit aber das
- Versailler System verewigen, die Vorherrschaft der
Vereinigten
- Staaten neutralisieren und einen Schutzwall gegen den
roten
- Osten schaffen sollte, hat dem Druck der
imperialistischen
- Gegensätze nicht standgehalten. Nur die zynischsten
aller
- Sozialpatrioten (Henderson, Vandervelde, Jouhaux usw.)
versuchen
- noch, mit dem Völkerbund Perspektiven der Abrüstung und
des
- Pazifismus zu verbinden. In Wirklichkeit wurde der
Völkerbund zu
- einer untergeordneten Figur auf dem Schachbrett der
- imperialistischen Kombinationen. Die diplomatische
Hauptarbeit,
- die heute um Genf einen Bogen schlägt, besteht in der
Suche nach
- militärischen Verbündeten, d.h. in der krampfhaften
Vorbereitung
- des neuen Gemetzels. Parallel dazu geht eine dauernde
Erhöhung
- der Rüstungen, die aus dem faschistischen Deutschland
einen
- neuen gigantischen Anstoß erhalten hat.
- 3. Der Zusammenbruch des Völkerbundes ist untrennbar
verknüpft
- mit dem beginnenden Zusammenbruch der französischen
- Vorherrschaft auf dem europäischen Kontinent. Die
demographische
- und wirtschaftliche Macht Frankreichs erwies sich, wie zu
- erwarten war, als eine zu schmale Unterlage für das
Versailler
- System. Der bis an die Zähne bewaffnete französische
- Imperialismus mit seinem scheinbaren
"Verteidigungs"charakter
- bleibt, soweit er gezwungen ist, die durch Verträge
- legalisierten Früchte seiner Aneignungen und Räubereien
zu
- schützen, seinem Wesen nach einer der Hauptfaktoren des
neuen
- Krieges."
-
- Und bezüglich des Kurses der Sowjetunion vermerkt er
weiters:
-
- "41. Die Sowjetregierung ändert heute ihren Kurs
hinsichtlich
- des Völkerbundes. Die Dritte Internationale wiederholt
wie stets
- sklavisch Worte und Gesten der Sowjetdiplomatie.
"Ultralinke"
- aller Art benützen diese Wendung, um ein übriges Mal
die UdSSR
- zu den bürgerlichen Staaten zu zählen. Die
Sozialdemokratie
- erklärt die "Aussöhnung" der UdSSR mit dem
Völkerbund je nach
- den nationalen Erwägungen bald für einen Beweis für
den
- bürgerlich-nationalen Charakter der Moskauer Politik,
bald
- hingegen für eine Rehabilitierung des Völkerbundes und
überhaupt
- der ganzen Ideologie des Pazifismus. Der marxistische
Standpunkt
- hat auch in der vorliegenden Frage nichts gemein mit
irgendeiner
- dieser kleinbürgerlichen Anschauungen.
- Unsere grundsätzliche Einstellung zum Völkerbund
unterscheidet
- sich nicht von der zu jedem einzelnen imperialistischen
Staat,
- ob dem Völkerbund angeschlossen oder nicht. Das Lavieren
des
- Sowjetstaates zwischen den antagonistischen Gruppierungen
des
- Imperialismus bedingt auch eine Manöverpolitik in Bezug
auf den
- Völkerbund. Solange Japan und Deutschland dem Bund
angehörten,
- drohte dieser eine Arena der Verständigung der
bedeutendsten
- imperialistischen Räuber auf Kosten der UdSSR zu werden.
Mit dem
- Austritt Japans und Deutschlands, der hauptsächlichen
und
- unmittelbarsten Feinde der Sowjetunion, verwandelte sich
der
- Völkerbund teils in einen Block der Verbündeten und
Vasallen des
- französischen Imperialismus, teils in eine Arena des
Kampfes
- zwischen Frankreich, England und Italien. Die eine oder
die
- andere Kombination mit dem Völkerbund kann sich für den
- Sowjetstaat, der zwischen ihm im Grunde gleich
feindlichen
- imperialistischen Lagern laviert, als zwingend erweisen.
- 42. Während sie sich durchaus realistisch Rechenschaft
ablegt
- über die entstandene Lage, muss die proletarische Vorhut
- zusammen damit folgende Erwägungen in den Vordergrund
rücken:
- a) Die Notwendigkeit für die UdSSR, mehr als sechzehn
Jahre nach
- der Oktoberumwälzung Annäherung an den Völkerbund zu
suchen und
- diese Annäherung mit den Formeln des Pazifismus zu
decken, ist
- ein Ergebnis der außerordentlichen Schwächung der
- internationalen proletarischen Revolution und damit der
- internationalen Positionen der UdSSR;
- b) die abstrakten pazifistischen Formulierungen der
- Sowjetdiplomatie und ihre Komplimente an den Völkerbund
haben
- nichts gemein mit der Politik der internationalen
proletarischen
- Partei, die für sie keinerlei Verantwortung übernimmt,
vielmehr
- ihre Leere und Heuchelei aufdeckt, um desto gewisser, das
- Proletariat zu mobilisieren auf Grund eines klaren
- Verständnisses der realen Kräfte und der realen
Antagonismen."
-
- Und im Aktionsprogramm für Frankreich aus dem selben
Jahr
- verweist Trotzki nochmals auf den fundamentalen
Unterschied
- zwischen Völkerbund und der Losung der Vereinigten
- Sozialistischen Staaten von Europa:
-
- "12. Gegen den Krieg, für die Vereinigten
Sozialistischen
- Staaten von Europa!
- Um die Gesellschaft zu verändern und aus dem Chaos
- herauszuholen, müssen wir sie als erstes vor dem Krieg
retten,
- in den sie die Bourgeoisie erneut stürzen würde.
- Gegen die Bewegungen des deutschen Faschismus haben die
- französischen Kapitalisten eine Blockpolitik angefangen.
Diese
- bezieht sich auf Staaten, die dem verbrecherischen
Vertrag von
- Versailles treu ergeben sind. Frankreich benutzt den
Völkerbund,
- die Versammlung der raubgierigen Bourgeoisie, um seine
- Handlungen mit dem Schleier des Pazifismus zu bedecken,
während
- es die Last der vernichtenden Kosten des
Rüstungswettlaufs auf
- das arbeitende Volk ablädt.
- Und die "Defensiv"-Lüge von der
"Sicherheit" ermöglicht es
- chauvinistischem Wahnsinn, sein Werk zu verrichten und
das Land
- in die ungeheuren Massaker von morgen zu treiben.
- Die Proletarier, Bauern, Händler, Handwerker und
- Regierungsangestellten können diese Zukunft nur dadurch
- abwenden, dass sie überall ihre Kontrollorgane
errichten, die
- Geheimdiplomatie demaskieren, sich mit allen Mitteln den
- Kriegsvorbereitungen widersetzen, dass sie die Herrschaft
den
- Imperialisten aus den Händen reißen.
- Nur der Sieg der revolutionären Arbeiter Frankreichs
kann jede
- Möglichkeit eines imperialistischen Krieges ausmerzen
und die
- versklavten Völker Europas und der Kolonien aufwecken.
Abkommen
- und Verträge würden dann zu Staub; die einzig mögliche
Lösung,
- die bereits 1919 gesehen wurde, lautete dann: Die
Vereinigten
- Sozialistischen Staaten von Europa.
- Gegen die imperialistischen Blockpolitik, gegen die
- pazifistische Lüge des Völkerbundes, gegen die
Geheimdiplomatie
- des Krieges und den Irrsinn der Aufrüstung! Überall auf
dem
- alten europäischen Kontinent - geteilt, militarisiert,
- blutbefleckt, bedroht von der totalen Zerstörung durch
einen
- neuen Krieg erheben wir das einzige Banner der Befreiung,
das
- Banner der Arbeiter- und Bauernregierung der Vereinigten
Staaten
- von Europa, des brüderlichen Bundes der
Sowjetstaaten!"
-
- Die grundsätzlichste Kritik an der Annäherung der
Sowjetunion an
- den Völkerbund formuliert Trotzki in seiner
Generalabrechnung
- mit dem Stalinismus, der Verratenen Revolution von1936:
-
- Der Eintritt der UdSSR in den Völkerbund, der dem
eigenen Volk
- mit Hilfe einer des Herrn Goebbels würdigen Regie als
Triumph
- des Sozialismus und Resultat des "Drucks" des
Weltproletariats
- geschildert wurde, war für die Bourgeoisie nur infolge
der
- großen Abschwächung der revolutionären Gefahr
annehmbar. Das war
- kein Sieg der UdSSR, sondern eine Kapitulation der
- thermidorianischen Bürokratie vor der durch und durch
- kompromittierten Institution in Genf, die nach der uns
bereits
- bekannten Feststellung des Programms "ihre nächsten
- Anstrengungen darauf richtet, die revolutionären
Bewegungen zu
- unterdrücken". Was hat sich seit der Annahme der
Charta des
- Bolschewismus eigentlich so grundlegend verändert: Das
Wesen des
- Völkerbundes, die Funktion des Pazifismus in der
- kapitalistischen Gesellschaft oder sie Politik der
Sowjets?
- Diese Frage stellen, heißt, sie beantworten.
- Die Erfahrung sollte bald zeigen, dass die Beteiligung am
- Völkerbund den praktischen Vorteilen, die man auch durch
- Abkommen mit einzelnen bürgerlichen Regierungen
erreichen
- konnte, nichts hinzufügt, dafür aber erhebliche
Einschränkungen
- und Pflichten auferlegt, die von der UdSSR im Interesse
ihres
- erst vor kurzem erworbenen konservativen Prestiges aufs
- pedantischste erfüllt werden.
-
- Er legt die falschen Prämissen der stalinschen
Argumentation
- dar:
-
- Auf die Frage: Ist ein Krieg unvermeidlich?
antwortet Stalin:
- "Ich bin der Ansicht, dass sich die Positionen der
- Friedensfreunde festigen. Die Friedensfreunde können
offen
- arbeiten, sie stützen sich auf die Macht der
öffentlichen
- Meinung, in ihrer Verfügung befinden sich solche
Werkzeuge wie
- zum Beispiel der Völkerbund." In diesen Worten
steckt nicht ein
- Gran Realismus. Die bürgerlichen Staaten teilen sich
durchaus
- nicht in Friedens"Freunde" und
Friedens"Feinde", um so weniger,
- als es überhaupt keinen "Frieden" an sich
gibt. Jedes
- imperialistische Land ist an der Erhaltung seines
Friedens
- interessiert, und zwar umso heftiger, je unerträglicher
dieser
- Frieden für seine Gegner ist. Die Stalin, Baldwin, Léon
Blum
- usw. gemeinsame Formel: "Der Frieden wäre wirklich
gesichert,
- wenn alle Staaten sich im Völkerbund zu seinem Schutz
- zusammenschließen würden" bedeutet nur, dass der
Friede
- gesichert wäre, wenn es keine Gründe gäbe, ihn zu
verletzen. Der
- Gedanke ist wohl richtig, aber nicht sehr gehaltvoll. Die
- Großmächte, die - wie die Vereinigten Staaten - dem
Völkerbund
- nicht angehören, schätzen eine freie Hand offenbar
mehr, als die
- Abstraktion "Frieden". Wozu sie freie Hand
brauchen, das werden
- sie zu gegebener Zeit schon zeigen. Die Staaten, die aus
dem
- Völkerbund austreten, wie Japan und Deutschland, oder
sich
- zeitweilig von ihm "entfernen", wie Italien,
haben dafür
- ebenfalls genug materielle Gründe. Ihr Bruch mit dem
Völkerbund
- verändert nur die diplomatische Form der Gegensätze,
nicht aber
- deren Wesen, noch das des Völkerbundes. Die Gerechten,
die da
- dem Völkerbund ewige Treue schwören, gedenken ihn nur
um so
- entschiedener zur Wahrung ihres Friedens
auszunutzen.
-
- Der Völkerbund als Instrument der Friedenssicherung sei
- illusorisch, denn:
- Der Völkerbund zum Schutz des Status quo ist keine
Organisation
- des "Friedens", sondern eine Organisation der
Gewalt der
- imperialistischen Minderheit über die erdrückende
Mehrheit der
- Menschheit. Diese "Ordnung" lässt sich nur mit
Hilfe ständiger
- Kriege, großer wie kleiner, aufrechterhalten, heute in
Kolonien,
- morgen zwischen den Mutterländern. Die imperialistische
Treue
- zum Status quo ist immer eine bedingte, zeitweilige und
- begrenzte.
-
- Und zum Völkerbundziel der Abrüstung hält er fest:
-
- "Das Programm der "Abrüstung" bei
Erhaltung der
- imperialistischen Gegensätze ist die schädlichste aller
- Fiktionen. Selbst wenn die Abrüstung durch ein
allgemeines
- Einvernehmen verwirklicht wäre - eine sichtlich
phantastische
- Annahme! - würde dadurch keinesfalls ein neuer Krieg
verhindert
- werden. Die Imperialisten führen nicht Krieg, weil es
Waffen
- gibt, sondern umgekehrt, sie schmieden Waffen, wenn es
für sie
- erforderlich wird, Krieg zu führen. Die Möglichkeit
einer neuen,
- dabei sehr raschen Wieder-aufrüstung ist durch die
moderne
- Technik gegeben. Bei allen Vereinbarungen,
Beschränkungen und
- "Abrüstungen" verlieren die Waffenlager,
Kriegs-fabriken,
- Laboratorien, die kapitalistische Industrie in ihrer
Gesamtheit
- nichts von ihrer Stärke. [...] Der Gedanke der
sogenannten
- "allmählichen Abrüstung" ist nur ein Versuch,
in Friedenszeiten
- die über das Maß der Kräfte gehenden Militärausgaben
- herabzuschrauben: es ist eine Frage der Kasse und nicht
der
- Friedensliebe."
-
- Hinzuzufügen wäre noch, dass das Glück der Sowjetunion
im
- Völkerbund ein kurzes war. Wegen des sogenannten
Winterkrieges
- mit Finnland wurde sie 1939 ausgeschlossen, als einziger
Staat
- in der Geschichte des Völkerbundes. Spätestens jetzt
musste sie
- erkennen, dass für sie doch andere Regeln galten, als
etwa für
- Japan und Italien...
-
- Quellen
- Lenin Werke
- Trotzki Schriften 1.1
& 1.2
- http://www.marxists.org
-
-
- Diese beiden Beiträge von Stefan Neumayer stammen aus
unserer
- Broschüre "US-Arbeiter/innen gegen den Krieg",
die v.a. einen
- Überblick über die Antikriegsaktivitäten in den USA
vom 1.
- Weltkrieg über Korea und Vietnam bis heute gibt und
ausführlich
- die Geschichte der US-Arbeiter/innen/bewegung darstellt.
- Genaueres zu dieser Broschüre unter www.agmarxismus.net
- Kontakt-
& Diskussionsmöglichkeit