ARCHIV
KONZEPT FÜR EINE
ERNEUERUNG DES SOZIALISMUS
- Victor Serge, 1946
-
- Ebenso wie Marx und Engels um 1848 zu recht behaupteten,
daß sich die kapitalistische wirtschaft in der ganzen
welt durchsetzen und gleichzeitig ihre eigenen
totengräber hervorbringen würde, können wir heute
feststellen, daß sich die kapitalistischen
wirtschaftssysteme in zunehmendem maße zu gesteuerten
und geplanten systemen entwickeln, die von daher durchaus
kollektivistisch sind, wenn sie auch von ihrem charakter
her gemischte systeme bleiben, insofern als das
privateigentum an produktionsmitteln eine mehr oder
weniger große bzw. eine mehr oder weniger symbolische
bedeutung behält. Wir werden gleichzeitig feststellen,
daß der kollektivismus keinesfalIs, wie man früher
anzunehmen geneigt war, gleichbedeutend ist mit
sozialismus, ja daß er sogar antisozialistische formen
in bezug auf die ausbeutung der arbeit und die
geringschätzung des menschen annehmen kann. Wir stellen
fest, daß die probleme der rationalen organisation der
produktion, der sicherheit und freiheit des menschen, die
von der sozialistischen bewegung aufgeworfen wurden,
durch die ereignisse selbst überall und ohne, daß man
es vermeiden könnte, auf die tagesordnung gesetzt
werden; und gleichzeitig erkennen wir die extreme
schwäche jener bewegungen, die den sozialistischen
kollektivismus propagieren und damit zugleich dem
fortschritt der wirtschaft und den konfusen bestrebungen
der großen massen gerecht werden, denen durch den
gegenwärtigen stand der dinge schaden zugefügt wird.
-
- Daß diese schwäche in großem maße durch die
niederlagen bedingt ist, die der europäische sozialismus
erlitten hat, ist nicht zu leugnen; daß ein teil der
verantwortung für diese niederlagen den besiegten
zukommt, ist ebenfalls nicht zu leugnen. Offensichtlich
scheint die entwicklung des sowjetsystems zum
totalitarismus zum großen teil auf die mangelnde
hellsicht der bolschewiki, auf ihre methoden, auf die
tatsache, daß sie die bedeutung der demokratie
verkannten, und auf ihre psychologie zurückzuführen zu
sein. (Diejenigen unter ihnen, die sich besannen, taten
es zu spät und konnten nur noch den heldentod sterben.)
In den anderen europäischen Iäindern zeigte der
reformistische sozialismus weniger energie und
ebensowenig hellsicht. Man pflegt in marxistischen
begriffen zu sagen, daß "der subjektive faktor
nicht den objektiven bedingungen entsprach" - mit
anderen worten, dass die sozialisten sich der gefahren,
denen sie gegenüberstanden, und der gelegenheiten, die
sich ihnen boten, nicht genügend bewußt waren. Seit
einem vierteljahrhundert war ihr geistiges rüstzeug
wesentlich schwächer als jenes, das früher ihre macht
ausgemacht hatte. Die absolute macht, die die bolschewik
in Rußland ausübten, konnte ihre tatsächliche
ideologische schwäche nicht kompensieren, so dass die
russen wissen und überzeugungskraft durch willen und
autorität - und auch durch terror - ersetzen mußten.
Die demokratischen sozialisten Westeuropas wurden von den
ereignissen rücksichtslos uberrollt.
-
- Und zwar, weil sich der wissenschaftliche sozialismus -
d.h. der sozialismus im
- wissenschaftlichen sinne und im besitz der kenntnisse
seiner zeit - seit dem I. weltkrieg, dem zeitpunkt seiner
größten revolutionören siege, von der modernen
wissenschaft uberholen läßt und damit seine
orientierungsfähigkeit und seine intellektuelle
ausstrahlung verliert. Wir glauben, daß die marxistische
theorie der härtesten kritik standhält, zumindest in
bezug auf ihre grundlegenden elemente, nämlich I. die
analyse des kapitalismus; 2. die als historischer
materialismus bezeichnete methode der erforschung
und interpretation der geschichte; und 3. die große
bejahung eines aktiven humanismus.
-
- Aber diese wesentlichen begriffe integrierten sich so
sehr in das wissenschaftliche denken und die moderne
praxis, daß sie ihren eigentlichen charakter verloren.
Die konservativen politiker, die trust-ökonomen, die
wahren chefs des kapitalismus (und zuweilen ihre
hochschullehrer), die im allgemeinen antisozialistisch
sind, haben sich den historischen materialismus mit nicht
zu verkennender fähigkeit und energie zunutze gemacht,
während die verbreitung des marxismus abnahm. Das
gleiche geschah mit der evolutionstheorie, die bis zum
19. jahrhundert revolutionär war und dann allgemein
anerkannt wurde.
-
- Auch in anderen wichtigen punkten bedurfte der
sozialistische gedanke einer aufarbeitung, die bisher
noch nicht geleistet wurde. Der übergriff des marxismus
in die philosophie hat sich als inadäquat erwiesen. Der
dialektische materialismus, als "gesetz der
entwicklung der natur und des denkens" konzipiert,
erscheint uns nur noch als eine an den alten
hegelianismus anknüpfende metaphysische produktion; aber
er hat eine unheilvolle rolle bei der entartung des
russischen sozialismus gespielt, von dem zeitpunkt an, wo
er zur offiziellen ideologie der UdSSR, ein staatsdogma,
eine rechtfertigung der gedankensteuerung geworden ist.
Wenn der staat im besitz der philosophischen wahrheit
ist, weshalb soll er dann irrtümer tolerieren? Es ist
dann anscheinend natürlich, die mit irrtümern
befleckten werke -und autoren -zu verbieten.
-
- ERNEUERUNG DURCH
DIE PSYCHOLOGIE
-
- Zu der zeit, als Marx und Engels ihr werk schrieben,
existierte die psychologie erst im ansatz. Weder Kautsky,
noch Lenin, noch Rosa luxemburg, noch Bucharin oder
Trotzki haben sich besonders dafür interessiert. Der
bolschewismus stalinistischer prägung hat aus dem
"keine psychologie !" der Moskauer prozesse
eine bequeme devise gemacht. Seine ideologen haben Freud
einen "reaktionären, metaphysischen
idealisten" genannt (wörtlich). Der europäische
und amerikanische sozialismus hat sich zwar nicht diesem
verdummungseifer verschrieben, aber außer auf dem gebiet
der erziehung (und dies insbesondere in Österreich dank
Alfred Adlers einfluß) hat er sich von der psychologie
weder belehren noch praktisch anleiten lassen, obwohl
doch heute ohne die psychologie keine wirkliche soziale
veränderung möglich ist. Die aufteilung der
arbeitermassen in eine "revalutionäre"
minderheit und eine "gemäßigte" mehrheit wird
meistens immer noch als rein politisch - oder von den
umständen abhängig - betrachtet, und man glaubt, diese
teilung vielleicht durch propagonda und taktik beheben zu
können. Handelt sich esin wirklichkeit nicht um mehr
oder weniger dynamische charaktere, die auf die
tiefenpsychologie zurückgehen? Die affektiven und
politischen beziehungen zwischen den führern und den
massen sind ebenso unerforscht, und die unkenntnis über
die art dieser beziehungen hat im kommunistischen sektor
die tendenz zum führerkultus begünstigt. Man hat sich
auf die "richtige theorie" (auf die ständig
von Trotzki beschworene "richtige politik")
verlassen, um die werktätigen zum sozialismus zu
führen; dabei hat man eine menge unterbewußter faktoren
verkannt, indem man sich einer rationalen sprache
bediente (die durch demagogie negativ und durch
idealismus positiv verändert wird). Wir glauben, daß im
streit der tendenzen, in den beziehungen unter den
kämpfern, im drama eines allmächtigen politbüros die
unkenntnis der psychologie eine negative und zuweilen
sogar schreckliche rolle gespielt hat. Die verkennung des
feindes war noch schlimmer. So trifft es zu, daß der
nazismus im großen und ganzen eine bewegung derer war,
die ihre soziale stellung verloren hatten, eine bewegung,
die von der großen öffentlichkeit gefördert und an die
macht gebracht wurde; aber es trifft ebenfalls zu, daß
diese bewegung tiefe gefühle und unendlich gefährliche
affektive kräfte ausgenutzt und wiedererweckt hat und
daß man dies zu spät erkannte. Die wurzeln des
rassismus, des antisemitismus, des führertums können
nur ausgerottet werden, wenn man sie in der
tiefenpsychologie des einzelnen und der massen
ergründet. Die geheime übereinstimmung zwischen dem
totalitären kommunismus und den anderen formen
totalitären denkens kann nur im lichte der
psychologischen forschung verstanden werden.1) (Wir
sprechen hier von denken, ohne damit die bedeutung der
ökonomischen und politischen faktoren im eigentlichen
sinne einschränken zu wollen.)
-
- In ihrem eigenen bereich, dem der politischen ökonomie,
hat die sozialistische bewegung der letzten 30 jahre die
kolossale bedeutung der modernen technologie verkannt,
die riesige fortschritte verwirklichte und damit die
produktionskapazität der industrie in großem maße
steigerte, während sie gleichzeitig die arbeiter
schwächte. Die arbeiterklasse hat ihre homogenität
verloren und ist nunmehr in eine arbeiteraristokratie
einerseits und die unteren schichten andererseits
gespalten. Die technologie hat einen immer größer
werdenden teil dieser klasse zu chronischer
arbeitslosigkeit und geistiger verelendung verdammt; die
techniker haben in der gesellschaft eine strategisch sehr
wichtige position erlangt. Es ist völlig angebracht, von
der industriellen revolution der gegenwart zu reden und
daraus zu folgern, daß diese revolution die ausmaße,
die beziehungen und die situation der sozialen klassen
radikal verhindert. Sicherlich rührt es von dieser
tatsache her, daß jene sozialen gruppen, die der
klassische marxismus im vergleich zum proletariat und zur
bourgeoisie für sekundär hielt, also die neuen
mittelklassen, in der neueren geschichte eine
entscheidende bedeutung gehabt haben: russische
bürokratie, faschismus, nazismus, volksfronten. Eine
neue untersuchung der technologie in ihren beziehungen
zur gesellschaftsstruktur wird dringend erforderlich. Sie
würde wahrscheinlich zeigen, daß die schwächung der
arbeiterklassen durch die moderne technologie für die
niederlagen des europäischen sozialismus eine größere
rolle gespielt hat als die kurzsichtige gemäßigte
haltung des reformismus und der elementare
machiavellismus der komintern.
-
- DIE FUNKTION DES
STAATES
-
- Die traditionellen sozialistischen theorien über den
staat, die vor einem halben jahrhundert und mehr gültig
waren, bedürfen einer ebenso intensiven aufarbeitung.
Die zwangsfunktionen des bürgerlichen staates als
"verteidigungsinstrument der ausbeutung der einen
klasse durch eine andere", die von Marx, Engels und
deren nachfolgern so gründlich analysiert wurden, haben
in den bürgerlichen demokratischen staaten an bedeutung
verloren, während sich der staat mehr der organisation
des verkehrswesens, des informationswesens, des
warenverkehrs, des gesundheitswesens und des
bildungswesens zuwandte. In den totalitären ländern hat
der staat eine zwangsfunktion ungeheuer ausgebaut und
gleichzeitig die organisation der produktion und der
konsumption und die steuerung des intellektuellen lebens
übernommen. Die "revolutionäre abschaffung"
des staates (welches auch immer), die noch immer von
einigen anarchisten befürwortet wird, muß
offensichtlich ins raritätenkabinett des utopismus
verbannt werden. Die libertäre "staatskommune"
der bolschewiki von 1917 ist total gescheitert. Die von
Lenin formulierte theorie über den "yerfall des
staates" ging schon zu seinen lebzeiten geräuschlos
unter. Die entwicklungstendenz der modernen
gesellschaften geht dahin, die staatlichen funktionen
auszuweiten und zu verändern. Weil die sozialistische
theorie diesbezüglich zu utopistisch war, hat sie den
totalitarismus erst erkannt, als sie bereits vor den
schrecklichen vollendeten tatsachen stand. (schon 1919
beginnt der bolschewismus allen dissidenten der
revolution das recht auf politische existenz zu
verweigern. Die opposition, der ich in Rußland
angehörte, ist im kampf gegen den aufsteigenden
totalitarismus unterlegen, ohne sich dessen klar bewußt
zu werden.) Hilferding war der erste sozialistische
autor, der eine grundlegende abhandlung über den
totalitären staat schrieb. Sie wurde 1938 oder 39
geschrieben, also ein dutzend jahre nach der endgültigen
einführung des totalitarismus in der UdSSR, mehr als 15
jahre nach der machtübernahme des italienischen
faschismus, 5 oder 6 jahre nach Hitlers machtergreifung.
Das wahre problem besteht heute in der frage, ob die
(kollektivistische) planwirtschaft vereinbar ist mit
demokratie und individueller freiheit. Diese frage
beschäftigt zahlreiche amerikanische sozialisten und
liberale; in den sozialistischen publikationen Europas
wurde sie bisher nicht einmal gestellt.
-
- EINE NEUE THEORIE
DER FREIHEIT
-
- Die theorie der freiheit (d.h. der demokratie, wobei
diese die organisation der freiheit der staatsbürger
ist) der sozialistischen bewegung scheint, wenn man sich
auf die allgemein übliche literatur beschränkt, noch
immer auf den ideen des liberalismus-humanismus der
revolutionären bourgeoisie und auf der tradition der
parlamentarischen demokratien begründet zu sein. Dies
sind ehrenwerte, aber unzureichende und praktisch
veraltete quellen. Die sache der freiheit ist heute, wo
zunehmend verstaatlichte planwirtschaften entwickelt
werden, schwer bedroht; diese werden versucht sein,
information, presse, erziehung und verlagswesen nach
ihrem belieben zu planen. Wie soll man nach der
sozialisierung. (verstaatlichung) der großen zeitungen
und der verstaatlichung der trusts die pressefreiheit
konzipieren und organisieren? Schon morgen wird sich
diese frage in Frankreich - und anderswo - stellen, aber
ich habe bisher nicht einen artikel darüber gelesen. Wie
soll man in seinem handeln kompromißlosigkeit und feste
überzeugung mit toleranz und achtung "des
andersdenkenden" vereinbaren, was Rosa Luxemburg
einst forderte? Man sieht hier die notwendigkeit einer
psychologischen ausbildung, die den marxisten von gestern
fehlte 2) -Eine neue theorie der freiheit könnte, so
meinen wir, folgende grundlagen haben: a) das wissen
über die grundlegenden psychologischen bedürfnisse,
denen das streben nach freiheit in seinem streit mit dem
streben nach unterwerfung und sicherheit entspricht; b)
die offensichtliche notwendigkeit freier
wissenschaftlicher forschung; c) die offensichtliche
zweckmäßigkeit - auch unter dem aspekt des
ökonomischen ertrags - innerhalb der geplanten
produktion, d.h. der arbeitsdemokratie, freie
initiativen, vorschläge und kritik zu garantieren 3);
- d) die tradition der demokratischen institutionen, die
der offensichtlich zweckmäßigen kontrolle aller
staatsbürger über die leitung der produktion und des
politischen lebens entspricht; e) die tatsache, daß die
moderne technologie relativ leicht in der lage ist, den
bürgern der industrialisierten ländern ein hohes
wohlstandsniveau und infolgedessen materialle sicherheit
zu garantieren; f) die tatsache, daß das gefühl der
freiheit untrennbar verbunden ist mit dem gefühl der
sicherheit. - Dies alles in die form von forderungen und
vorschlägen zu bringen, ist gewiß nicht leicht; aber es
ist wahrscheinlich gefährlich, es nicht zu tun.
-
- DEN SOZIALISMUS
ERNEUERN
-
- Keine dieser fragen, die wir soeben schematisch behandelt
haben, ist losgelöst vom unmittelbaren politischen
handeln - ganz im gegenteil. Aber das politische handeln
ist vor allem von einer neuen historischen situation
bestimmt, die es uns nicht erlaubt, in den begriffen der
politik von 1917 -1920 zu denken, eben weil unsere zeit
unendlich komplizierter und viel stärker im wandel
begriffen ist als es gegen ende des ersten weltkrieges
der fall war. Der sozialismus mußte damals anscheinend
das werk der arbeiterklasse sein, die damit "ihre
historische aufgabe erfüllt"; die technischen
notwendigkeiten der modernen produktion und des
wiederaufbaus des europäischen kontinents führen heute
von selbst zur anwendung der wichtigsten artikel des
sozialistischen programms. Aber dies ist offensichtlich
zu wenig... In der zeit des wiederaufbaus erlangten die
arbeiterklassen wahrscheinlich eine beträchtliche macht.
Die totalitären regime bringen eine energische und
tiefgreifende antitotalitäre reaktion hervor (ich bin
davon überzeugt, denn ich habe lange zeit unter dem
perfektesten regime dieser art gelebt), d.h. daß sie,
indem sie die jungen generationen vergiften, gleichzeitig
konfuse bestrebungen in ihnen erwecken, die sie besonders
empfänglich für die freiheit machen. Die zunehmende
interdependenz der staaten müßte sich in einer
internationalisierung der gesellschaften ausdrücken.
-
- Aus all diesen gründen scheint der sozialismus - als
bewegung und gedanke - eine große zukunft vor sich zu
haben. Seine gegenwärtige situation ist dennoch in
tragischer weise schwierig. Er wird durch seine
intellektuelle unzulänglichkeit, die er nur in einer
zeit des wiederauflebens wirklich beheben kann,
geschwächt, während der kommunistische totalitarismus
noch immer von der großen revolution profitiert und ihn
im inneren mit hilfe einer perfekt funktionierenden
staatsmaschinerie untergräbt. Der kampf vollzieht sich
heute, nicht mehr wie früher, zwischen zwei kräften
(schematisch dargestellt): kapitalismus gegen
sozialismus, reaktion gegen revolution. Ein dritter
faktor ist hinzugekommen, der totalitarismus in der
UdSSR.
-
- Niemals war es notwendiger, dieser tatsache klar und
mutig ins auge zu sehen, um es dann anders zu machen.
-
- Victor SERGE
-
- Masses, Nr. 3 - Juni 1946
- Fußnoten
- 1) Wir verweisen hier auf die arbeiten von W. Reich und
E. Fromm, die sich bemühten, die psychologischen aspekte
vor allem des Faschismus herauszuarbeiten. (W. Reich:
Massenpychologie des Faschismus, Kopenhagen 1934, diverse
raubdrucke. E. Fromm: Die Furcht vor der Freiheit,
Franfurt/M., EVA.)
- (Anm. d. verlages).
-
- 2) Wir müssen Rosa Luxemburg gerecht werden, die den
bolschewiki schon 1918 diesen schwerwiegenden vorwurf
machte. (Die Russische Revolution, in Rowohlt, Schriften
zur Theorie der Spontaneität, Reinbek bei Hamburg 1970,
als Sonderdruck bei Verlag 0, Hamburg) (Anm. d. verlages)
-
- 3) Ich habe diese gedanken und fakten in "Lenin
1917" und "Das Jahr Eins der russischen
Revolution" erörtert. Es gibt keine
charakteristischeren fehler der bolschewiki als jenen,
von Lenins hand verfaßten plan, die
nahrungsmittelzuteilung bis ins letzte zu reglementieren;
als Trotzkis plan der militarisierung der arbeit; als die
von Bucharin am vorabend der NEP veröffentlichten
wirtschaftspläne; als das verhängnisvolle beharren des
zentralbüros auf den praktiken des kriegskommunismus,
während das land offentsichtlich daran zugrunde ging;
als die repression von Astrachan und Kronstadt; als die
abschaffung aller revolutionären parteien und
arbeiterorganisationen durch die Kommunistische Partei.
(Anm. v. V. Serge)
Kontakt-
& Diskussionsmöglichkeit