Aktionen
Von: "Wilfried Hanser-Mantl" <>
Betreff:
Tagung "Das Andere Davos",
21. bis 23. Januar in Basel
Datum: Montag, 13. Dezember 2010 01:31
Programm:
http://www.otherdavos.net/fra/images/M_images/AutreDavos2011_De_A4.pdf
Weitere Informationen:
http://www.otherdavos.net/deu/index.php
«Das Andere Davos 2011.
Für eine andere Welt.
Für ein anderes Gesellschaftssystem»
Der Titel des
Anderen Davos 2011: «Für eine andere Welt. Für ein anderes
Gesellschaftssystem» verweist auf die vielfältigen Erscheinungsformen der
Krise des internationalen kapitalistischen Systems.
Es ist nicht einfach nur eine neue Episode der
Konjunkturkrisen des
Kapitalismus seit 1974-75 (1981-1982, 1990-1991 usw.).
Es ist nicht einfach nur eine «Finanzkrise» nach der Krise von 1997-1998
(Asien und Russland), der «Dotcom-Blase» (2000), der «Subprime-Krise»
(2007),
der Krise der «Bad Banks» (Lehman Brothers) oder der
«Staatsschuldenkrise»
Griechenlands (2009-2010), gefolgt von Irland,
Portugal und Spanien –
allesamt Staaten und Bevölkerungen, die damit
entmündigt werden.
Es ist nicht einfach nur das Scheitern der «Antworten» der
herrschenden
Klassen auf die Probleme der Kapitalverwertung. Antworten wie
erstens die
gesteigerte Ausbeutung der Arbeit, mit gleichzeitiger Schädigung
der
Gesundheit der Lohnabhängigen; zweitens die massive Umverteilung des
Reichtums zugunsten der «Aktionäre» (mit sprunghaftem Ansteigen der sozialen
Ungleichheiten); und drittens die Förderung verschiedener Formen von
privater
und öffentlicher Verschuldung, zur Ankurbelung des erschöpften
Wirtschaftsmotors.
Es ist all das… und gleichzeitig viel mehr. Es ist eine
weltweite Krise des
(kapitalistischen) Entwicklungsmodus. Eine besondere
Kombination von
Wirtschaftskrise, sozialer Krise und Klimaerschütterung.
Gerade diese letzte
Komponente wird heute schon auf die Ärmsten der Welt
abgewälzt. Die
Bedingungen für ihr Überleben und für die Reproduktion ihrer
Gesellschaften
werden ganz konkret untergraben.
*
Die Auswirkungen
dieser Krise des 21. Jahrhunderts zeigen verschiedene
Gesichter:
° Angriff
auf die gesellschaftlichen Lohnanteile wie die öffentliche
Finanzierung des
Bildungswesens, die Altersrenten, das öffentliche
Gesundheitswesen. Anders
gesagt geht es um Abbau und Privatisierung des
«Wohlfahrtsstaats» und des
Service public.
° Dauerhafte Massenarbeitslosigkeit im Weltmassstab, wobei
die industrielle
Reservearmee immer mehr Langzeitarbeitslose umfasst, die
zunehmend verarmen.
Damit hat das Kapital ein leichtes Spiel, alle Kategorien
von Lohnabhängigen
gegen einander auszuspielen. Die Folge ist Lohndrückerei
und die
erleichterte Durchsetzung von despotischen Formen der
Arbeitsorganisation
und der Nutzung der Arbeitsfähigkeit der Lohnabhängigen
durch die
Unternehmen.
° Explosion der «Zwangsvollstreckungen», der
«Zwangsräumungen» und der Zahl
der Obdachlosen, während die faktische
Konzentration des Immobilienbesitzes
nie gekannte Ausmasse erreicht.
° Enteignung des wissenschaftlichen Fortschritts durch eine
wirtschaftliche
Macht mit steigender Zentralisation und Konzentration, indem
das geistige
Eigentum immer mehr ausgeweitet wird.
° Aneignung von riesigen Landwirtschaftsflächen durch
Konzerne oder
«Staatsfonds» für den Raubbau durch das Kapital. Währenddessen
sind
Kleinbauer_innen und Landlose massiver Verarmung ausgeliefert. Und der
Zugang zu Nahrung wird für immer mehr Menschen ein Problem, in den Ländern
der Peripherie wie auch in den sogenannt «reichen» Ländern, wo
«Suppenküchen»
die Nachfrage nicht mehr erfüllen können.
° Zunehmende private Aneignung von Wasser, einer
lebenswichtigen
Ressource...
*
Der soziale Krieg – zynischerweise
als «Epoche der notwendigen Reformen»
bezeichnet – bedingt sehr reale und
konkrete Kriege um die Kontrolle
beschränkter Ressourcen (Energie, Boden,
Güter des Grundbedarfs usw.). Damit
werden auch künftige Konflikte in
Regionen vorbereitet, die als strategisch
wichtig gelten (Mittlerer Osten,
Zentralasien).
Betreffend staatliche Institutionen und Regierungen zeigen die
jüngsten
Episoden der Wirtschafts- und Umweltkrise den überragenden Einfluss
einer
herrschenden Fraktion des Kapitals – des Finanzkapitals – auf.
Privatbanken
werden ohne Gegenleistung oder ohne jene elementaren Auflagen
gerettet, die
das Ausmass der «Opfer» berücksichtigen würden, die sie der
grossen Mehrheit
der Bevölkerung aufzwingen. Die Durchsetzung dieser Opfer
gründet auf
autoritären Massnahmen im Geist von «Law and Order». Soziale
Bewegungen
werden kriminalisiert, demokratische Rechte werden eingeschränkt.
Hinzu
kommt gegenüber Migrant_innen institutionalisierte Fremdenfeindlichkeit
und
Rassismus. Es entstehen «neue Mauern» und «Internierungslager». Überall
in
Europa sind Bündnisse zwischen der «anständigen» Rechten und offen
fremdenfeindlichen, rassistischen und faschismusnahen Parteien politischer
Alltag geworden.
*
Einige sogenannte Schwellenländer (China, Indien,
Brasilien) – deren Eliten
imperialistische Ambitionen hegen – scheinen mit
ihrem Wirtschaftswachstum
die Zeichen eines endzeitlichen Kapitalismus zu
widerlegen. Dabei werden
jedoch die menschlichen und ökologischen Kosten
dieser Entwicklung
ignoriert. Es ist zudem alles andere als sicher, dass der
aktuelle Verlauf
dieses «Wachstums» nicht gestört wird durch die Auflehnung
der unterdrückten
und ausgebeuteten Bevölkerung sowie durch spezifische
Krisen, die mit diesem
Expansionsmodell einhergehen.
Damit wird deutlich,
dass die verschiedenen sozialen Mobilisierungen – in
Europa, Lateinamerika,
China – auf massive Herausforderungen stossen.
Antworten und Reaktionen, auch
nur in Ansätzen, können nicht mehr einfach
als Verlängerung vergangener
Kampfformen der «Arbeiterbewegung» des 19. und
20. Jahrhunderts gedacht
werden. Umso mehr als die Sozialdemokratie bewiesen
hat, dass sie sich
vollständig in das herrschende System und in den
Regierungsturnus
«Mitte-Links» – «Mitte-Rechts» eingefügt hat.
*
Zunächst ergibt sich
die Dringlichkeit, dass Erfahrungen von
Selbstorganisation der Lohnabhängigen
Schwerpunkt sämtlicher Überlegungen
und Vorschläge bilden. Diese Erfahrungen
spiegeln übrigens auch die vom
Kapital eingeforderte Intelligenz des
«Gesamtarbeiters», dessen «Kompetenz»
und «Leistung» von Abteilungen für
Humanressourcen gerne gelobt werden…
Zudem zeigt sich die Notwendigkeit, den
beschränkten Rahmen der
traditionellen Gewerkschaftsarbeit zu überwinden.
Dafür müssen Formen von
Verbindungen entwickelt werden, die – «kleine» oder
«grosse» – kollektive
Antworten ermöglichen gegenüber den entschlossenen und
andauernden Angriffen
in allen Bereichen des überalterten Kapitalismus. Damit
verbunden ist auch
die notwendige Erneuerung des Internationalismus, nicht
nur gegen
transnationale Konzerne, sondern auch gegen Staaten, die faktisch
ihre
Sparpolitik koordinieren, gleichzeitig aber ihre «komparativen Vorteile»
weiterhin ausspielen wollen gegenüber ihren Rivalen.
Schliesslich muss auch die Frage der Umverteilung von
Einkommen und Reichtum
offen angegangen werden. Damit ist auch die Frage der
privaten Aneignung von
gesellschaftlichen Produktions- und
Reproduktionsmittel gestellt. Im
Bewusstsein, dass die Art des «Wachstums»
des kapitalistischen Systems eine
Form der Zerstörung von Menschen und
Ökosystemen ist, unter dem Kommando von
Profitinteressen und Erfordernissen
privater Kapitalakkumulation.
Das Andere Davos 2011 sieht sich als Initiative
im Zusammenhang mit vielen
ähnlichen Aktionen die –im Wissen um den niedrigen
Stand der Bewegungen der
Lohnabhängigen weltweit – sich dennoch in die Lage
versetzen wollen, alle
Erfahrungen zur Geltung zu bringen, die den
intelligenten und subversiven
Charakter der Kämpfe der Bevölkerung enthüllen,
wie es die soziale Bewegung
in Frankreich überaus deutlich gemacht hat.
<
http://geo.yahoo.com/serv?s=97490454/grpId=10817966/grpspId=2048600517/msgId=
3044/stime=1292148593/nc1=1/nc2=4026967/nc3=3 >