- Von: "Rosa Antifa Wien" <
raw@raw.at >
- Betreff: 11.11.:
- Niemals
vergessen!
- Antifaschistischer
- Rundgang & RAW-Flugblatt
- Datum: Mittwoch, 4. November 2009
21:35
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- Niemals
vergessen!
- Antifaschistischer
Rundgang
- Ort:
U1 Keplerplatz, Ausgang Keplergasse
- Zeit:
Mittwoch 11. November 2009 / 18:30
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- Waehrend des Novemberpogroms 1938
wurden 27 juedische Maenner ermordet,
- es gab 88 Schwerverletzte, dutzende
Selbstmorde, mehr als 6500
- Festnahmen. 3.600 verhaftete Juden und
Juedinnen wurden direkt in das
- Konzentrationslager Dachau
transportiert, 4000 Geschaefte wurden
- gepluendert und zerstoert und 2000
Wohnungen geraubt - im NS-Jargon
- "arisiert".
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- Es gab auch noch Tage danach.
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- Waehrend der 9. November mittlerweile
auch in Wien als Gedenktag
- begangen wird, wird ueber die
antisemitische Kontinuitaet, die die Zeit
- davor und danach praegte, kaum
gesprochen.
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- Wo am 9. November noch Synagogen und
Bethaeuser standen, waren in den
- Tagen darauf nur noch verkohlte
Brandruinen. Wo es noch Geschaefte und
- Lokale gab, lagen nur noch Scherben -
die Scherben nach denen die Nazis
- den Tag hoehnisch
"Reichskristallnacht" nannten und deren
Beseitigung
- einen neuen Anlass fuer Demuetigungen
und Gewalt bot. Wie an der
- Zerstoerung waren auch hier SA, SS,
NachbarInnen und BuergerInnen
- beteiligt.
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- Wo am 9. November Angst herrschte, war
in den Tagen danach nur noch
- Verzweiflung. Zehntausende Juden und
Juedinnen wussten nicht, was mit
- ihren FreundInnen, Verwandten und
NachbarInnen geschehen war.
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- Wo am 9. November noch Verzweiflung
war, da war in den Tagen danach
- nichts mehr - 27 Morde hatten SA und
SS unter Beifallklatschen von
- NachbarInnen und BuergerInnen
begangen. Und die Angst liess dutzende den
- Freitod waehlen.
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- Das war der November 1938 in Wien.
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- Der 9. November war ein Hoehepunkt von
Pogromen, die es in Oesterreich
- seit dem "Anschluss an das 3.
Reich" tagtaeglich gab, aber er war nicht
- das Ende. Das Sprichwort, "Und
morgen geht die Sonne wieder auf", stimmt
- hier nicht, es dauerte noch fast
sieben Jahre, bis den Nazis Einhalt
- geboten wurde.
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- Mit einem Rundgang wollen wir
aufzeigen, wie flaechendeckend die
- antisemitischen Ausschreitungen und
Arisierungen in Wien stattfanden.
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- Der Rundgang fuehrt uns durch den 10.
Bezirk, der bis 1938 eine
- lebendige juedische Gemeinde
beherbergte, ueber die heute kaum etwas
- bekannt ist. Wir haben einige
Stationen ausgewaehlt um an diese
- Gemeinde, an ihre Zerstoerung und den
vielfachen Mord zu erinnern:
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- * Favoritenstrasse 106:
Krankenunterstuetzung und Bethausverein Ansche
- Emes - Maenner der Wahrheit
- * Humboldtgasse/Humboldtplatz:
Humboldt-Synagoge, Juedischer
- Frauenwohltaetigkeistverein fuer den
10. Bezirk, Humanitaetsverein fuer
- den 10. Bezirk
- * Uhlandgasse 2: Juedischer Turnverein
Makkabi Wien X
- * Gudrunstrasse 125: Bund Juedischer
Frontsoldaten
- * Perneestorfergasse 25: Zionistische
Ortsgruppe Favoriten-Simmering des
- Zionistischen Landesverbandes fuer
Oesterreich + Sparverein Deworah
- * Ettenreichgasse 9: Steine der
Erinnerung fuer Janka Loewenstein/Adler
- und fuer Risa und Simon Steiner
- * Reumannplatz: Denkmal fuer die Opfer
des Faschismus
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- Wir bitten euch Gegenstaende wie
Transparente, Fahnen, Megaphone etc.
- zuhause zu lassen.
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- Es gibt die Moeglichkeit den
Spaziergang mit einem Filmabend im qu[e]er
- (Wipplingerstrasse 23, 1010 Wien)
ausklingen zu lassen.
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- Informationen dazu siehe:
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- http://www.raw.at/queer/programm/nov2009.htm#l2
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- Im Folgenden noch unser Flugblatt:
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- 9. November 1938 - Niemals vergessen!
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- Am 9. November jaehrt sich jener
Pogrom, der im "Dritten Reich" die
- Verfolgung juedischer Menschen
eskalieren liess. Gab es schon zuvor
- Diskriminierungen durch die
"Nuernberger Rassengesetze" und
- antisemitische Ausschreitungen, sollte
der Novemberpogrom (von den
- Nazionalsozialsozialist_innen als
"Reichskristallnacht" bezeichnet) die
- Deutschen und Oesterreicher_innen auf
die "Ausrottung" des europaeischen
- Jued_innentums einschwoeren und
gleichzeitig der Nazifuehrung ein
- Stimmungsbild verschaffen. Sie wurden
nicht enttaeuscht. Nachdem der
- 17-jaehrige Hershel Grynszpan den
deutschen Botschaftsrat in Paris
- getoetet hatte, sah die Nazispitze die
Gelegenheit gegeben, im ganzen
- Land die Bevoelkerung gegen Jued_innen
zu mobilisieren.
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- Und an jenem 9. November 1938 kam es
zur sogenannten
- "Reichskristallnacht" (weil
sich in der Nacht das Licht in den
- zerbrochenen Fensterscheiben
juedischer Geschaefte widerspiegelte).
- Nicht bloss organisierte SA-Trupps
fuehrten den Pogrom durch, nein, die
- Bevoelkerung mischte tatkraeftig mit.
Pluenderungen, Demuetigungen und
- Morde wurden in jener Nacht vom Mob
veruebt. Teilweise ging das der
- Nazi-Fuehrung insofern zu weit, als
sie befuerchtete, dass Sachwerte
- zerstoert und verloren gingen. Allein
in Oesterreich wurden in jener
- Nacht 27 Jued_innen ermordet, 88
schwer verletzt, mehr als 6.500
- festgenommen, 42 Synagogen wurden in
Wien zerstoert, mehr als 4.000
- Wohnungen und Geschaefte verwuestet
und 2.000 Wohnungen zwangsgeraeumt.
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- Waehrend die Novemberpogrome in
Deutschland eine neue Qualitaet
- darstellten unterschieden sie sich in
Wien nur im Umfang und den
- Massenverhaftungen, antisemitische
Pogrome gab es seit dem "Anschluss"
- immer wieder. Die Kontinuitaet der
Miss- und Verachtung, der
- koerperlichen Gewalt gegen Jued_innen,
das Verlangen nach Besitz und
- Wohnungen der Jued_innen erklaert
auch, weshalb der Novemberpogrom in
- Wien mit verhaeltnismaessig massiverer
Verfolgung verbunden war und der
- Pogrom nicht "nur" eine
Nacht sondern mehrere Tage andauerte.
-
- Die Wiener Bevoelkerung trieb es
soweit, dass selbst die Gestapo Muehe
- hatte, den Mob unter Kontrolle zu
bringen. Fuer die Nazis war es ein
- Erfolg: nun waren sie sich der
Unterstuetzung der Bevoelkerung sicher.
- Was danach kam, ist bekannt:
Einsatzkommandos, Vernichtungslager, sechs
- Millionen ermordete Juedinnen und
Juden. Und alles mit Praezision und
- Gewissenlosigkeit.
-
- 6 Millionen ermordete Juden und
Juedinnen, 3 Millionen ermordete Roma,
- Sinti, behinderte Menschen, Menschen
aus Polen, Russland, Rumaenien,
- Bulgarien, Ungarn, Homosexuelle,
Kommunist_innen, Sozialist_innen und
- noch viele mehr, die in
Konzentrationslagern ermordet wurden. Es
- brauchte 17 Millionen zivile Tote in
der ehemaligen Sowjetunion, 3,3
- Millionen verhungerte sowjetische
Soldat_innen in deutschen Lagern und
- Millionen von toten alliierten
Soldat_innen, um den Vernichtungswahn der
- Nazis Einhalt zu gebieten. Am 8. Mai
1945 wurde diesem Terror durch die
- Alliierten Streitkraefte ein Ende
gesetzt.
-
- Taeter_innen
-
- Und nicht etwa durch
Oesterreicher_innen oder Deutsche. Die
- ueberwaeltigende Mehrheit hat die
Shoah und den Raubkrieg unterstuetzt
- oder toleriert. Viele profitierten
davon, und zeigten kein Interesse
- daran, dem Unbeschreiblichen ein Ende
zu bereiten. Die Alliierten
- mussten nach der Befreiung
feststellen, dass von Reue keine Spur war,
- eher machten sich depressive
Gleichgueltigkeit und Angst vor Vergeltung.
-
- Die unfassbaren Opferzahlen selbst
interessierten hier keine_r. Zwecks
- Wiederaufbau wurde die deutsche
Volksgemeinschaft durch die
- oesterreichische Volksgemeinschaft
ersetzt und beim vielen Zupacken
- wollte sich hier keine_r mit der
gerade verflossenen Nazizeit
- beschaeftigen. Die Entnazifizierung
wurde bald beendet, viele
- Taeter_innen und Mitlaeufer_innen
kamen unbehelligt davon, und besetzten
- wieder politische Ämter und
behoerdliche Funktionen. Selbst im Kabinett
- Kreisky fanden sich noch drei
ehemalige NSDAP-Mitglieder. Und davon gab
- es nach 1945 so viele, dass SPOe und
OeVP sich nicht genierten, um ihre
- Stimmen zu buhlen. Die
Vorgaenger_innen-partei der FPOe, der Verband der
- Unabhaengigen (VdU), war ohnehin
Sammelbecken derer, denen Joerg Haider
- noch 1995 eine ordentliche Gesinnung
attestierte.
-
- Auswirkungen
-
- Und so konnte es geschehen, dass ein
Kurt Waldheim WEGEN seiner
- SA-Vergangenheit Bundespraesident
wurde, dass ein Joerg Haider mit
- Nazikoketterie die FPOe 1999 an 28%
heranfuehren konnte und posthum als
- "grosser Politiker" geehrt
wird, dass ein Mitglied einer rechtsextremen
- Burschenschaft 3.
Nationalratspraesident wird, dass antisemitische
- Aussagen und neonazistische
Anbandeleien von Politiker_innen
- augenzwinkernd akzeptiert werden. Die
Motive, mit denen solche
- Politiker_innen gewaehlt werden, sind
immer noch vorhanden:
- Antisemitismus, Rassismus, Sexismus,
Homophobie, Denunziant_innentum und
- Autoritaetshoerigkeit. All diese in
Oesterreich tief verwurzelten
- Eigenschaften machten auch den 9.
November 1938 - und alles was danach
- noch kommen sollte - moeglich.
-
- Diese Kundgebung will ein Anstoss dazu
sein, diesen Zustaenden
- entschieden entgegenzutreten - in
jeder Situation.
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- In diesem Sinne:
- Niemals vergessen!
- Oesterreichische Zustaende bekaempfen!
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